- Eine Zuckersteuer ist ein wirkt gegen Adipositas, wie andere Länder zeigen.
- Wichtig wäre, dass der Steuersatz mit dem Zuckergehalt ansteigt.
- Mit solch einer Steuer ließen sich mutmaßlich Milliarden im Gesundheitsbereich sparen.
In mehr als 100 Ländern gibt es bereits eine Zuckersteuer. Als Paradebeispiel gilt Großbritannien, wo 2018 eine Steuer auf Softdrinks eingeführt wurde. Je mehr Zucker im Getränk ist, desto mehr Steuern müssen die Hersteller dort zahlen.
Zuckersteuer im Vereinigten Königreich ein Erfolgsmodell
Und das zeigt Wirkung: Im Vereinigten Königreich ist der Zuckergehalt in Getränken seit Einführung der Steuer um 30 Prozent gesunken, erklärt Luise Molling von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch: "Und das führt eben auch dazu, dass Übergewicht zurückgedrängt wird. Dazu gibt es Studien zu Schülerinnen in Großbritannien. Dort sind deutlich weniger Adipositas-Fälle aufgetreten durch die Limo-Steuer. Das ist wirklich ein ganz zentraler Effekt."
Steuer muss prozentual zum Zuckergehalt steigen
Molling betont, dass die Steuer allein das Adipositas-Problem zwar nicht lösen könne. Trotzdem sei sie ein zentrales Element, um die Situation in Deutschland merklich zu verbessern. Ähnlich sieht es der Gesundheitsökonom David Matusiewicz. Auch er befürwortet die Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland.
Wichtig sei aber, dass die, ähnlich wie in Großbritannien, mit dem Zuckergehalt steigt: "Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, dass die Hersteller dann sagen: Wir wollen, dass unser Produkt nicht zu teuer wird. Je mehr Zucker wir reinpacken, desto teurer wird unser Produkt. Und deshalb ist es klug, das prozentual anteilig zu koppeln. Da ist die Chance relativ groß, dass die Industrie gegensteuert und weniger Zucker reintut oder Alternativen sucht."
Weniger Folgeerkrankungen: Milliarden könnten eingespart werden
In einer Modellstudie hat die Technische Universität München untersucht, welche Effekte eine Zuckersteuer in Deutschland hätte. Karl Emmert-Fees war an der Forschung beteiligt.
Er sagt, dass nicht nur der Zuckerkonsum sinken würde, sondern auch Arzt- und Behandlungskosten: "Da konnten wir zeigen, dass das über die nächsten 20 Jahre mehrere Milliarden im Gesundheitssystem einsparen könnte, durch weniger Diabetesfälle. Wir kamen auf circa 200.000 weniger Fälle über 20 Jahre. Und da Diabetes eine sehr teure chronische Erkrankung ist, spürt man das schon sehr deutlich."
Lebensmittelindustrie setzt auf Selbstverpflichtung
Gegen eine Zuckersteuer ist der Lebensmittelverband Deutschland. Sprecherin Manon Struck-Pacyna moniert, dass viele Forschungsergebnisse zur Zuckersteuer auf Modellstudien basieren, die eine geringe Aussagekraft hätten: "Wir halten eine Zuckersteuer für nicht sinnvoll, weil sie zum einen eine hohe bürokratische Last für die Unternehmen bedeuten würde. Sie würde die Lebensmittel teurer machen, aber sie sicherlich nicht dazu führen, dass wir das Übergewichtsproblem in den Griff bekommen."
Struck-Pacyna betont, dass die Lebensmittelindustrie für bestimmte Produkte bereits freiwillig den Zuckergehalt gesenkt hätte. Der Verband setzt sich dafür ein, dass die Hersteller diesen Weg selbstbestimmt weitergehen können. Ob das so bleibt, muss am Ende die Politik entscheiden.
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