Der AfD-Mitbegründer und Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk fordert von Polen eine Reparationszahlung in Höhe von 1,3 Billionen Euro. Als Grund nannte er die „Komplizenschaft“ an der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines.

„Meine erste Amtshandlung als Finanzminister wird sein, diese Forderungen gegenüber Polen geltend zu machen“, versprach der gebürtige Hamburger auf X. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“

Gottschalk dürfte die Summe nicht zufällig gewählt haben. In den vergangenen Jahren kamen aus Polen wiederholt Forderungen in Höhe von 1,3 Billionen Euro für den Überfall der deutschen Wehrmacht, die folgende Besatzung und den Völkermord.

„Die deutsche Besatzung gehörte zu den grausamsten in der europäischen Geschichte, sie hat mindestens eine ganze Generation um ihre Zukunftschancen gebracht“, hat der damalige polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki Anfang 2023 in einem „Spiegel“-Gastbeitrag geschrieben. „Die Summe dieser polnischen Verluste wurde auf mehr als 6.220.609.000.000 Zloty (rund 1,3 Billionen Euro) geschätzt.“

In der eignen Partei fand Gottschalk mitunter Anklang. Der AfD-Kommunalpolitiker Fabian Küble, der die Polen unlängst als „Afroamerikaner Europas“ bezeichnet hatte, die sich als „bemitleidenswerte Daueropfer“ inszenierten, und sich zudem selbst als „Tuks-Schreck“ charakterisiert, zeigte sich begeistert. „Exakt so muss man auf diese unverschämten Forderungen antideutscher Polen reagieren“, schrieb er in einer Reaktion unter seinem Pseudonym „Fabian Keubel“. „Gleiches mit Gleichem. Nur so kapieren sie es.“

Deutlich weniger empfänglich für die Vorschläge Gottschalks zeigten sich Vertreter der polnischen Seite. Arkadiusz Mularczyk, früherer Staatssekretär im polnischen Außenministerium und heutiger Europaabgeordneter in der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer kritisierte den AfD-Politiker. „Ist Ihnen überhaupt bewusst, dass Sie sich und die gesamte AfD in Polen öffentlich in Verruf bringen?“, schrieb er auf X. „Man kann etwas, das allgemein als Abschaum gilt, nicht in Verruf bringen“, erwiderte daraufhin Piotr Beniuszys, Kolumnist der liberalen polnischen Zeitung „Liberté“.

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