Der Ende des Jahres aus dem Amt scheidende UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat sich klar für eine Frau als Nachfolgerin ausgesprochen. „Es ist eindeutig Zeit für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen“, sagte Guterres bei seiner traditionellen Jahresauftaktpressekonferenz in New York. „Da habe ich keinen Zweifel.“
Guterres ist seit 2017 Generalsekretär, die zweite und letzte Amtszeit des Portugiesen läuft Ende 2026 aus. Bis dahin muss die Nachfolge geregelt werden. In der Geschichte der Vereinten Nationen hatte bislang noch keine Frau das Spitzenamt inne. „Aber die Wahrheit ist – ob bei den Vereinten Nationen oder in den Führungspositionen der mächtigsten Länder der Welt –, es ist an der Zeit, Frauen zu sehen“, sagte Guterres.
Über den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Guterres stimmt die UN-Vollversammlung auf Vorschlag des UN-Sicherheitsrats ab. Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, hat sich ebenfalls für eine Frau ausgesprochen.
Eine Organisation, die für Frauen- und Menschenrechte eintrete, habe es „in 80 Jahren noch nicht geschafft, eine Frau an ihrer Spitze zu haben“. Das sei „nicht mehr zeitgemäß“, sagte Baerbock im Oktober dem Newsletter „Politico“.
Sie hat die Mitgliedsländer inzwischen aufgefordert, ihre Kandidaten für die Guterres-Nachfolge bis Anfang April zu nominieren. Bislang gibt es offiziell nur einen Kandidaten – den 64 Jahre alten Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi. Er wurde von seinem Heimatland Argentinien nominiert.
Guterres: „Verhindern, dass Demonstranten mit dem Leben bezahlen“
Angesichts des teils brutalen Vorgehens Tausender Bundesbeamter im US-Bundesstaat Minnesota forderte Guterres zudem die US-Einsatzkräfte zur Zurückhaltung auf. „Das Recht, zu demonstrieren, sehen wir als essenzielles Recht an“, so Guterres. „Hier, wie in anderen Teilen der Welt“, sei „es essenziell, dass die Polizei und andere Einsatzkräfte unverzichtbare Zurückhaltung ausüben, um zu verhindern, dass Demonstranten für ihre Aktivitäten mit dem Leben bezahlen“, betonte er.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat Tausende Bundesbeamte in die Stadt Minneapolis und den Bundesstaat Minnesota geschickt, um ihre rigorose Abschiebepolitik durchzusetzen. In Minneapolis stieß das Vorgehen gegen Migranten auf massiven Widerstand der Bevölkerung. Nach tödlichen Schüssen der Einsatzkräfte auf zwei US-Bürger weiteten sich die Empörung und die Proteste landesweit aus. Das Weiße Haus hat Untersuchungen angekündigt, an deren Unabhängigkeit es allerdings Zweifel gibt.
UN-Chef Guterres sagte, er hoffe, dass die „im Rahmen einer demokratischen Gesellschaft“ angekündigten Untersuchungen zu Ergebnissen führen würden.
Guterres kritisiert China und USA für Geopolitik
Guterres beklagte auf der Jahrespressekonferenz außerdem das geopolitische Verhalten Chinas und der Vereinigten Staaten. „Die globalen Probleme werden nicht gelöst, wenn eine Macht das Sagen hat. Sie werden auch nicht gelöst, wenn zwei Mächte die Welt in rivalisierende Einflusssphären aufteilen“, sagte er.
Er bestätigte auf Nachfrage, dass er mit der einen Macht die USA und mit den zwei Mächten die USA und China meine. Anstelle dessen müsse die Welt auf „Multipolarität“ setzen – „mit Netzwerken, inklusivem Design und in der Lage (sein), Balance durch Partnerschaften zu erzeugen, Partnerschaften durch Handel, Technologie und internationaler Kooperation“, sagte Guterres.
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