Generationen junger Männer haben diese Prozedur schon über sich ergehen lassen, mit der Wiedereinführung der Musterung ist sie zurück: Eine Betastung der Hoden durch einen Militärarzt – landläufig bekannt als „Eierkontrollgriff“.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sichert zu, dass es bei der Musterung keine Schikanen geben wird. „Die Mediziner legen fest, welche Untersuchungen notwendig sind“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ auf die Frage, dass viele Männer vor allem Untersuchungen im Intimbereich in der Vergangenheit als demütigend empfunden hätten. „Und das wird selbstverständlich den Grundsätzen von menschenwürdigem Umgang entsprechen“, sagte er.

Seit Anfang des Jahres gilt das neue Wehrdienst-Gesetz. Es sieht vor, dass der Geburtsjahrgang 2008 erstmals einen Fragebogen zur sogenannten Wehrerfassung erhält. Jungen Männer sind verpflichtet, ihn auszufüllen, für Frauen ist die Teilnahme freiwillig. Auch die verpflichtende Musterung ist seit dem 1. Januar 2026 zurück, der Aufbau der dafür notwendigen Kapazitäten dauert jedoch noch an. Gemustert werden die Jahrgänge ab 2008 aufwärts.

Wie eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums dem „Spiegel“ bereits im November sagte, wird bei den Musterungen auch weiter auf den „Eierkontrollgriff“ gesetzt. Damit sollen mögliche Leistenbrüche, ein Hodenhochstand oder Hodentumore erkannt werden, die einer Verwendung bei der Bundeswehr entgegenstehen könnten. Bei Frauen ist keine Untersuchung im Genitalbereich und an der Brust vorgesehen.

Pistorius reagierte in dem Interview auch auf die Kritik der evangelischen Kirche an dem Bundeswehr-Werbeslogan „Mach, was wirklich zählt“. Er wolle die junge Generation dafür gewinnen, einen Beitrag zur Sicherheit zu leisten, sagte Pistorius. „Denn, was wirklich zählt, ist Sicherheit. Ohne Sicherheit ist alles nichts.“

Klar sei aber: „Niemand muss zur Bundeswehr, wenn er oder sie nicht will. Ich weiß jedoch aus Diskussionen mit jungen Frauen und Männer, dass es sehr viele gibt, die sagen: Das Leben in Freiheit ist mir so wichtig, dass ich nach meiner Schulzeit ein paar Monate Dienst leisten möchte“, sagte der Minister.

Pistorius: „Die Amerikaner brauchen Europa“

Unter dem Eindruck der Grönland-Krise ruft Pistorius die Europäer zu Furchtlosigkeit vor US-Präsident Donald Trump auf. „Trump setzt auf Verunsicherung und Angst, um seine Ziele zu erreichen. Aber wer Angst hat, trifft falsche Entscheidungen. Also lassen wir uns ja gerade nicht einschüchtern“, sagte er. Die Europäer seien Trumps Zolldrohungen im Zuge seiner Grönland-Annexionspläne selbstbewusst entgegengetreten. „Dieser Spirit sollte uns in Zukunft leiten.“

Er zeigte sich sicher: „Die Amerikaner brauchen Europa so, wie die Europäer die Amerikaner brauchen.“ Die US-Airbase in Ramstein sei der wichtigste Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb der USA. Auch die USA hätten „ein Interesse an unserer engen Partnerschaft“.

Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die USA die Nato verlassen wollten, sagte Pistorius. Und: „Den nuklearen Schutzschirm stellen die USA auch in der neuen Verteidigungsstrategie nicht infrage.“ Gelänge es Kremlchef Wladimir Putin, die USA aus Europa zu vertreiben, würde Europa zu Russlands Einflusssphäre werden. „Dann lägen die USA zwischen Russland und China.“ Das sei nicht in ihrem Interesse.

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