In der AfD sorgen die Einladungen zur Münchner Sicherheitskonferenz für Irritationen. Der verteidigungspolitische Sprecher der Partei, Rüdiger Lucassen, selbst Gast, sagte dem „Tagesspiegel“ zu den beiden anderen AfD-Vertretern, Anna Rathert und Heinrich Koch: „Ich kann mir diese beiden Einladungen nicht erklären.“ Seine Einladung sei sehr früh angekommen und er habe bereits einen Kontakt zum Konferenzleiter Wolfgang Ischinger gehabt, sagte Lucassen. „Man fragt sich, warum Markus Frohnmaier nicht eingeladen wurde.“

Frohnmaier ist außenpolitischer Sprecher der AfD. Eingeladen wurde jedoch Anna Rathert. Die AfD-Bundestagsabgeordnete ist Mitglied im Arbeitskreis Außen, den Frohnmaier leitet, und im Auswärtigen Ausschuss.

Dem „Tagesspiegel“ sagte Rathert zu ihrer Einladung: „Ich kenne die Begründung nicht. Die MSC entscheidet das selbst.“ Sie sei zum ersten Mal bei der Konferenz und werde „viel zuhören und beobachten“. Sie sei gespannt auf Treffen mit Militärvertretern, erklärte Rathert. „Als Zivilist hat man ja normalerweise keinen Zugang zu solchen Personen.“

SPD und Grüne sehen die Teilnahme der AfD indes kritisch und warnen vor Sicherheitsrisiken. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, sieht die Vertraulichkeit der Veranstaltung gefährdet.

Dem „Tagesspiegel“ sagte Nanni, dass sich bei vielen kleinen Events rund um die MSC Gäste in „bislang meist vertrauter Atmosphäre“ getroffen hätten. „Man wusste, wir sind alle pro Nato eingestellt. Künftig werden wir den Raum mehr scannen müssen. Sicherheitsrelevante Fragen stellen wir nur, wenn wir sicher sein können, dass die Antworten nicht in Russland landen“, sagte Nanni mit Blick auf die AfD

Hinter der Einladung der AfD sieht Nanni vor allem den Einfluss der USA. Die Grünen-Politikerin vermutete: „Der Druck aus Washington wirkt.“ J.D. Vance habe bei der letzten Münchner Sicherheitskonferenz deutlich gemacht, was die USA von Europa und Deutschland erwarten. „Man möchte mit einem institutionell geschwächten Europa zusammenarbeiten. Und die AfD ist willfähriger Unterstützer US-amerikanischer Interessen.“

Nanni kritisierte: „Die Münchener Sicherheitskonferenz wird damit zu einer Plattform, auf der sich die globale Rechte treffen kann.“ Die AfD sei zwar nicht die erste Vertreterin der neuen Rechten in Europa dort. „Aber angesichts ihrer Tradition und der deutschen Geschichte halte ich das für bedauernswert. Mir erschließt sich nicht, warum man eine rechtsextreme Oppositionspartei einladen muss.“

Auch die SPD sieht die AfD-Teilnahme kritisch. Deren verteidigungspolitischer Sprecher Falko Droßmann sagte dem Tagesspiegel: „Die MSC entscheidet eigenständig über Einladungen. Allerdings ist gerade wegen ihrer internationalen Strahlkraft besondere Verantwortung gefragt, welche sicherheitspolitischen Signale ausgesendet werden.“ Die AfD untergrabe mit ihren Positionen „Vertrauen in Bündnisse, verunsichert Partner, biedert sich autoritären Regimen an und wird damit selbst zu einem sicherheitspolitischen Risiko.“

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