Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado geht davon aus, dass Venezuela in weniger als einem Jahr demokratische Wahlen abhalten könnte. Das sagte sie im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Politico“, das wie WELT zum Axel-Springer-Verlag gehört.

„Wir glauben, dass ein echter Übergabeprozess mit manueller Stimmabgabe … über den gesamten Ablauf hinweg in neun bis zehn Monaten umgesetzt werden könnte“, sagte Machado am Dienstag in einem Interview mit der Reporterin Dasha Burns für die Podcast-Reihe „The Conversation“.

Die Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem führende US-Politiker Präsident Donald Trump dazu drängen, die amerikanische Kontrolle über Venezuela schneller abzugeben. Trump hatte angedeutet, dass die USA diese noch jahrelang behalten könnten – mit dem Ziel, die Entwicklung der Infrastruktur zur Förderung der gewaltigen Ölreserven des Landes eng zu kontrollieren. Der US-Präsident sagte der „New York Times“ im vergangenen Monat, „die Zeit wird zeigen“, wie lange die USA ihre Aufsicht über Venezuela ausüben werden.

Machado, die Trump nach der Festnahme des früheren venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro im Weißen Haus traf, sagte, die beiden hätten bei ihrem Treffen nicht über einen Zeitrahmen für neue Wahlen gesprochen. Sie sei jedoch optimistisch hinsichtlich des vergleichsweise kurzen Zeitfensters für den Aufbau demokratischer Wahlen in ihrer Heimat. „In unserem Fall haben wir eine demokratische Kultur, eine starke demokratische Kultur. Wir haben eine organisierte Gesellschaft. Wir haben eine legitime Führung mit enormer Unterstützung in der Bevölkerung, und auch unsere Streitkräfte unterstützen einen Übergang zur Demokratie“, sagte sie.

Machado verwies zudem auf jüngste Wahlen in Venezuela – die ihrer Aussage nach „unter sehr schwierigen Umständen“ stattgefunden hätten – als Beleg dafür, dass die venezolanische Bevölkerung US-gestützte demokratische Wahlen bereitwillig annehmen werde.

Venezuela hielt 2024 Präsidentschaftswahlen ab, die das Regime Maduros nach eigenen Angaben gewann, sowie Parlamentswahlen im Jahr 2025. Unabhängige Beobachter kritisierten die Wahlen als weder frei noch fair. „Wenn wir dazu unter solch extremen Bedingungen in der Lage waren, stellen Sie sich vor, was jetzt möglich ist, wenn wir die Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten haben. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass wir nicht allein sind“, sagte sie.

Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Tim Röhn.

Hören Sie das vollständige Interview in der neuesten Folge von „The Conversation“.

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