Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor einem historischen Kipppunkt für Europa. „Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt“, sagte er in einem Interview mit mehreren großen Zeitungen, darunter der „Süddeutschen Zeitung“.

Auslöser sei eine „doppelte Krise“: der wirtschaftliche Druck durch einen „chinesischen Tsunami“ und zugleich eine „Mikrosekunden-Instabilität auf amerikanischer Seite“ – etwa bei Zöllen und dem Streit um Grönland unter Donald Trump. „Wir müssen uns fragen: Wollen wir Zuschauer sein – oder Akteure? Wenn wir Zuschauer sein wollen, dann mündet das in eine glückliche Unterwerfung“, so Macron.

Als Antwort fordert Macron einen Schub hin zu strategischer Handlungsfähigkeit: weniger Regeln und ein tieferer Binnenmarkt. Europa müsse außerdem seine Industrie aktiver schützen – nicht als Protektionismus, sondern durch klare Priorität für europäische Produkte, wenn andere Mächte ihre Märkte abschotten oder Regeln brechen.

Vor allem aber gehe es um Investitionen in Verteidigung, Schlüsseltechnologien und den grünen Umbau; dafür plädiert Macron für gemeinsame europäische Finanzierung – auch über Eurobonds. Europa habe enorme private Ersparnisse, die bislang zu stark in Anleihen oder ins Ausland flössen – dieses Kapital müsse stärker in die Zukunftsfähigkeit des Kontinents gelenkt werden.

Macron hält weiter an Kampfjet FCAS fest

Unabhängig davon wies Macron in dem Interview Gerüchte über ein mögliches Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS zurück. Er bekräftigte, Frankreich halte an dem Vorhaben fest: „FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir brauchen ein solches Flugzeug“, sagte Macron. Er habe mit Friedrich Merz „nicht über ein Ende des Projekts gesprochen“.

Macron verwies auf das Beispiel der europäischen Trägerrakete Ariane 6, die auch häufig totgesagt worden sei, nun aber doch funktioniere. Er sei der Meinung, „dass die Dinge vorangehen müssen“. Ein Aus für den Kampfjet der Zukunft würde auch die Pläne für den gemeinsamen Kampfpanzer infrage stellen. „Stellen Sie sich vor, was das für einen Rückbau der Synergien bedeuten würde“, betonte Macron.

Das „Handelsblatt“ hatte am Montag berichtet, dass es Überlegungen gebe, die Pläne für einen gemeinsamen Kampfjet aufzugeben. Mehrere Abgeordnete der Regierungsparteien SPD und CDU und hochrangige Industrievertreter würden darauf drängen, sich von dem französischen Industriepartner Dassault als Projektpartner zu verabschieden. Die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtete, Deutschland habe Interesse an dem britisch-italienisch-japanischen Kampfjet-Programm GCAP.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.