Beim Autobauer Volkswagen sorgt ein überraschender Geldzufluss für Ärger. Finanzchef Arno Antlitz hatte zum Jahresende einen Barmittelzufluss (Netto Cashflow) von sechs Milliarden Euro erzielt – obwohl zuvor intern noch ein Wert von null Euro genannt worden war.

Der Betriebsrat fordert nun Aufklärung. „Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns“, sagte ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung, berichtet die „Bild“-Zeitung. Noch in dieser Woche soll es ein Spitzengespräch mit dem Vorstand geben.

Besonders brisant ist die Auswirkung auf die Vergütung der Konzernspitze. Bei einem Cashflow von null Euro hätten die Vorstände auf große Teile ihres Jahresbonus verzichten müssen.

Mit den nun gemeldeten sechs Milliarden Euro wird jedoch die höchste Bonus-Stufe erreicht. Das bedeutet: bis zu 1,75 Millionen Euro zusätzlich für jedes Vorstandsmitglied. Der überraschende Cashflow hatte auch Investoren und Aufsichtsgremien überrascht.

Ausgaben verschoben, Rückstellungen aufgelöst

Nach Angaben aus Konzernkreisen wurden die Milliarden durch mehrere Maßnahmen zusammengebracht. Ausgaben für Entwicklung wurden in das Jahr 2026 verschoben, Lagerbestände abgebaut und Rückstellungen aufgelöst. Die Schritte gelten als legal.

Der Betriebsrat will nun auch wissen, welche Folgen diese Maßnahmen für das laufende Geschäftsjahr haben. Rechnungen lassen sich verschieben, müssen aber später bezahlt werden. Zudem fordert die Arbeitnehmerbank Transparenz über mögliche Auswirkungen auf Dividendenzahlungen. Die Aufarbeitung des Vorgangs soll nun kurzfristig erfolgen.

Eine Stellungnahme des VW-Konzerns liegt bislang nicht vor. Die Presseabteilung ließ entsprechende Anfragen seit Freitag unbeantwortet.

Der Ärger bei VW resultiert aus der massiven Abweichung zwischen der offiziellen Prognose und den realen Zahlen. Noch im Oktober 2025 prognostizierte Finanzchef Antlitz aufgrund hoher Investitionen und Restrukturierungskosten einen Netto-Cashflow von 0 Milliarden Euro. Das Ergebnis sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwächer, sagte er. „Hinzu kamen Belastungen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro vor allem durch erhöhte Zölle, die Anpassung der Produktstrategie bei Porsche und Abschreibungen“, so Antlitz vor drei Monaten.

Exakte VW-Zahlen im März erwartet

Trotz eines stabilen Umsatzes von 238,7 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 brach das operative Ergebnis aufgrund hoher Kosten und Sondereffekte massiv um 58 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro ein, was zu einer schwachen operativen Rendite von nur 2,3 Prozent führte.

Nun steht der sprunghafte Anstieg des Netto-Cashflows auf vorläufige sechs Milliarden Euro zum Jahresende im Fokus, der Ende Januar bekannt gegeben wurde. Detaillierte Erläuterungen zu diesen Verschiebungen werden zur Jahrespressekonferenz am 10. März 2026 erwartet.

Zuletzt hatten die Vorstandschefs von Volkswagen und Stellantis eine industriepolitische Neuausrichtung in Europa gefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie zu sichern. VW‑Chef Blume und der Chef des Opel-Mutterkonzerns Stellantis, Antonio Filosa, forderten finanzielle Anreize und Erleichterungen für in Europa gefertigte Elektroautos.

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