Polens Präsident Karol Nawrocki sieht sein Land von Russland bedroht und hat sich deshalb für ein eigenes Atomwaffenprogramm ausgesprochen. „Der Weg zu einem polnischen Atompotenzial – bei allem Respekt für internationale Regelungen – ist der Weg, den wir gehen sollten“, sagte der rechtskonservative Staatschef dem Fernsehsender Polsatnews. In Polen ist der Präsident Oberbefehlshaber der Armee.
Polen sei ein Land direkt an der Grenze zu einem bewaffneten Konflikt, betonte Nawrocki mit Blick auf den Ukraine-Krieg. „Wir wissen, welche aggressive und imperiale Haltung Russland zu Polen hat.“ Daher sei er dafür, die Sicherheit seines Landes mit einem Atomwaffenprogramm zu erhöhen. Wann dies begonnen werde, könne er allerdings nicht sagen. Auf die Frage des Moderators, ob er keine Reaktion Russlands auf diesen Schritt fürchte, entgegnete Nawrocki: „Russland kann auf alles aggressiv reagieren.“
Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz reagierte zunächst verhalten auf den Vorstoß des Präsidenten. Die Frage von Atomwaffen sei „das sensibelste aller sensiblen Themen“, sagte der Minister laut Nachrichtenagentur PAP. Auch er sei zwar für die Schaffung eigener Forschungs- und Entwicklungskapazitäten. Es sei aber besser, mehr zu tun, als über Pläne und Absichten zu sprechen.
Das EU- und Nato-Land Polen ist einer der engsten militärischen und politischen Verbündeten der von Russland angegriffenen Ukraine. Präsident Nawrocki geht mit seinem Vorstoß weiter als seinerzeit sein Amtsvorgänger Andrzej Duda. Dieser hatte im Frühjahr 2024 gesagt, Polen sei bereit für die Stationierung von US-Atomwaffen im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe, sollte die Nato dies für nötig halten. Aus der Nato hieß es damals, eine Ausweitung der Atomwaffen-Stationierung sei nicht geplant.
Die USA haben im Rahmen der nuklearen Teilhabe seit vielen Jahrzehnten Atomwaffen in mehreren europäischen Ländern stationiert. Zu den Standorten gibt es keine offiziellen Angaben – neben Deutschland sollen die Atomwaffen auch in den Niederlanden, Belgien, Italien und in der Türkei lagern.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.