- Die Bundeswehr-Brigade in Litauen soll tausende Kampfdrohnen bekommen.
- Nach Medienberichten über eine geringe Treffsicherheit sollen die "Kamikaze-Drohnen" inzwischen verbessert worden sein.
- Die Bedenken wegen Peter Thiels Beteiligung an einem Hersteller sind laut Pistorius ausgeräumt.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat am Mittwoch die Beschaffung tausender Kampfdrohnen für die Bundeswehr gebilligt. Die sogenannten "Kamikaze-Drohnen" sollen die in Litauen stationierte Brigade der Bundeswehr bei der Abschreckung gegenüber Russland unterstützen. Mit der Zustimmung kann das Bundesministerium der Verteidigung nun Großaufträge an die deutschen Rüstungs-Start-ups Stark Defence und Helsing vergeben.
Berichte über mutmaßlich zunächst unausgereifte Technik sowie die Beteiligung des US-Investors Peter Thiel an einem der Unternehmen sorgen jedoch für Kritik.
Loitering Munition für moderne Kriegsführung
Bei den bestellten Systemen handelt es sich um sogenannte "Loitering Munition" (lauernde Munition). Dabei werden unbemannte Flugkörper über einem Zielgebiet eingesetzt, wo sie bis zur Freigabe durch eine Operateurin oder einen Operateur in der Luft verbleiben. Anschließend greifen sie das Ziel an, indem sie entweder eine Sprengladung abwerfen oder sich selbst in das Ziel steuern. Aufgrund dieses Einsatzprofils werden sie umgangssprachlich als "Kamikaze-Drohnen" bezeichnet.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem "wichtigen Schritt" für die Modernisierung der Bundeswehr. Man ziehe Lehren aus den Erfahrungen der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland und profitiere von Rüstungskooperationen. Zugleich räumte Pistorius ein, dass sich die Bedeutung einzelner Waffensysteme im Gefecht schnell verändern könne. Es sei offen, ob Drohnen auch in fünf Jahren noch eine vergleichbare Rolle spielten.
Berichte über Probleme bei der Treffsicherheit
Den Zuschlag sollen Stark Defence mit Sitz in Berlin und Helsing aus München erhalten. Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium beläuft sich das Auftragsvolumen zunächst auf rund 536 Millionen Euro. Eine Erweiterung in Milliardenhöhe ist demnach optional möglich. Angaben zur genauen Stückzahl der Drohnen oder zur maximalen Gesamtsumme wurden nicht gemacht. Die Systeme sollen ab 2027 in Litauen einsatzbereit sein.
Medienberichte hatten zuvor über Probleme mit der Treffsicherheit früherer Versionen berichtet. Inzwischen hätten die Hersteller nach eigenen Angaben die Präzision deutlich verbessert und entsprechende Tests erfolgreich absolviert. Die Unternehmen erklärten, ihre Systeme würden fortlaufend weiterentwickelt und unter realen Einsatzbedingungen – unter anderem in der Ukraine – erprobt.
Kritik wegen Beteiligung von Peter Thiel
Kritik entzündete sich insbesondere an der Beteiligung des US-Investors Peter Thiel an Stark Defence. Thiel wird dem rechtskonservativen Spektrum in den USA zugerechnet und ist ein einflussreicher Unterstützer von US-Präsident Donald Trump. Die Grünen äußerten vor der Entscheidung im Haushaltsausschuss Bedenken hinsichtlich eines möglichen Einflusses Thiels.
Auch aus der SPD waren zunächst Vorbehalte zu hören. Pistorius erklärte jedoch, die Bedenken seien ausgeräumt. Thiel halte lediglich einen Anteil im einstelligen Prozentbereich und habe "keinen Zugriff oder Einblick in operative Sachverhalte". Dies sei dem Ministerium schriftlich versichert worden.
AFP/dpa (jst)
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