- Knapp zwei Drittel der Befragten halten das Konzept "Berufsbeamtentum" für veraltet.
- Viele würden auf eine Verbeamtung von Lehrkräften aus Kostengründen verzichten.
- Die Idee einer Bürgerversicherung stößt bei den Befragten auf großen Zuspruch.
Ob bei der Polizei, in der Schule oder in der Verwaltung: Beamtinnen und Beamte übernehmen in Deutschland sogenannte "hoheitliche" Aufgaben und sollen sicherstellen, dass diese dauerhaft, zuverlässig und politisch neutral erfüllt werden.
Was sind hoheitliche Aufgaben?
Hoheitliche Aufgaben sind staatliche Tätigkeiten, bei denen der Staat besondere Befugnisse gegenüber Bürgerinnen und Bürgern ausübt, etwa für Sicherheit und Ordnung sorgen, Recht sprechen oder Steuern einziehen. Art. 33 Abs. 4 Grundgesetz (GG) legt fest, dass die Ausübung solcher hoheitsrechtlichen Befugnisse in der Regel an Angehörige des öffentlichen Dienstes (Beamte) zu übertragen ist. Beamte dürfen nicht streiken und müssen einen Diensteid auf das Grundgesetz ablegen. Darüber hinaus können sie jederzeit versetzt werden. Im Gegenzug profitieren sie von rechtlichen und finanziellen Vorteilen, wie einem umfangreichen Kündigungsschutz und einer eigenen Pension.
In einem aktuellen Stimmungsbild des MDR-eigenen Meinungsbarometers MDRfragt stößt das jedoch auf wenig Zuspruch. So halten knapp zwei Drittel der Befragten das Konzept Berufsbeamtentum für veraltet. Etwas mehr als ein Drittel findet es hingegen zeitgemäß.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKVergleicht man das Antwortverhalten der Befragten je nach Altersgruppe, zeigt sich, dass die jüngeren Befragten das Konzept eines Berufsbeamtentums für hoheitliche Aufgaben deutlich eher für zeitgemäß halten, als es bei den älteren Befragten der Fall ist.
In den Kommentaren der Befragten finden sich zahlreiche Gründe für diese unterschiedlichen Einschätzungen. So sind einige MDRfragt-Teilnehmer zum Beispiel der Meinung, dass Beamte für den Erhalt und das Funktionieren der Demokratie unerlässlich sind, und halten das Konzept daher für zeitgemäß.
Einer von ihnen ist Paul (28) aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Er schreibt: "Gerade vor dem, was gerade in den USA passiert, zeigt sich, dass ein dem Recht verpflichteter und vor Willkür geschützter Beamtenapparat für das Funktionieren der Demokratie zwingend erforderlich ist. Der besondere Schutz, den Beamte genießen, dient dem Schutz der Objektivität ihrer Entscheidungen."
Kritiker und Befürworter sehen Reformbedarf
Die Kommentare der Befragten zeigen jedoch auch, dass sowohl die Befürworter als auch die Kritiker des Beamtentums dieses oftmals für reformbedürftig halten.
Stellvertretend dafür kommentiert beispielsweise Andreas (67) aus dem Erzgebirgskreis: "Es gibt gute Gründe, für einige 'hoheitliche Aufgaben' eines Staates das Berufsbeamtentum zur Durchsetzung dieser Aufgaben und Maßnahmen zu nutzen und dementsprechend dem Personal auch eine besondere 'Fürsorge' zukommen zu lassen. Allerdings finde ich, dass in Deutschland das Berufsbeamtentum zum Nachteil des Steuerzahlers völlig überdehnt wurde und bestimmte Tätigkeiten rein gar nichts mit 'hoheitlichen' Aufgaben zu tun haben."
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Wo eine Verbeamtung notwendig erscheint
Wie die Kommentare der Befragten bereits zeigen, halten viele eine Verbeamtung nicht in allen Berufsgruppen für notwendig.
Insgesamt betrachtet, finden die meisten Befragten, dass Polizisten verbeamtet sein sollten. Danach folgen Richter und Staatsanwälte. Bei den Lehrkräften halten hingegen deutlich weniger eine Verbeamtung für notwendig. Darüber hinaus lehnt ein Viertel der Befragten die Verbeamtung grundsätzlich ab.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKStreitpunkt: Verbeamtung von Lehrkräften
Vor allem die Verbeamtung von Lehrkräften wird immer wieder diskutiert. In der Vergangenheit wurde diese je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Zunächst hatte man Lehrkräfte nur noch angestellt, um Kosten zu sparen. Später dann wurde die Verbeamtung wieder eingeführt, um den Beruf attraktiver zu machen. Folglich gibt es im Schulbereich derzeit sowohl verbeamtete als auch angestellte Lehrkräfte.
Aus Kostengründen wird nun erneut gefordert, Lehrkräfte künftig nicht mehr zu verbeamten. Drei Viertel der Befragten halten das für sinnvoll.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKAuch bei dieser Frage zeigen sich je nach Alter der Befragten erneut Unterschiede im Antwortverhalten. So halten die älteren Befragten den Vorschlag, Lehrkräfte aus Kostengründen künftig nicht mehr zu verbeamten, eher für sinnvoll, als es bei den jüngeren Befragten der Fall ist.
Dass die Entscheidung zur Verbeamtung nicht immer leichtfällt und welche Gründe für den einen dafür und für den anderen dagegen sprechen, zeigen die Kommentare der beiden MDRfragt-Mitglieder Lukas und Jan.
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Viel Zuspruch für Bürgerversicherung
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) forderte zuletzt eine „Bürgerversicherung“, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen. Arbeitgeberverbände und der Beamtenbund lehnen das ab. In der MDRfragt-Community stößt die Idee hingegen auf großen Zuspruch – und das schon seit einiger Zeit: Anfang 2025, als wir zuletzt danach fragten, waren 91 Prozent der Befragten dafür. Aktuell sind es 89 Prozent.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKAuch unter denjenigen Befragten, die nach eigener Aussage selbst als Beamte tätig sind oder waren, überwiegt die Zustimmung.
Über diese Befragung
An der Befragung „Beamtentum in Deutschland: unverzichtbar oder überholt?“ vom 23. bis zum 26. Februar 2026 haben 21.730 Menschen teilgenommen.
Bei MDRfragt können alle mitmachen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt wohnen.
Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Argumente sichtbar zu machen. Die Kommentare der Teilnehmenden helfen uns, die Gründe für unterschiedliche Positionen und das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.
Wir ziehen keine Stichprobe, sondern laden alle Interessierten ein, ihre Meinung einzubringen. Deshalb sind die Ergebnisse streng genommen nicht repräsentativ. Aber: An den Befragungen beteiligen sich jeweils zehntausende Menschen aus den drei Bundesländern. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich begleitet und überprüft. Die Ergebnisse werden nach bewährten Methoden gewichtet – anhand soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad – und so an die tatsächliche Bevölkerungsverteilung in Mitteldeutschland angepasst. Dadurch sind die Ergebnisse aussagekräftig für die Stimmung im Sendegebiet. Durch Rundungen ergeben die Prozentwerte bei einzelnen Fragen nicht immer exakt 100.
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