Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor unkontrollierbaren Folgen durch eine lange Kriegsdauer im Iran gewarnt. „Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse. Gleiches gilt auch für den möglichen Zusammenbruch der iranischen Staatlichkeit oder auf dem iranischen Boden ausgetragener Stellvertreterkonflikte“, sagte der Regierungschef bei seinem Besuch auf der Handwerksmesse in München. Solche Szenarien könnten weitreichende Folgen für Europa haben, unter anderem auch für die Sicherheit, für die Energieversorgung und für die Migration.

Die Bundesregierung teile die Ziele der USA und Israels, die gegen das iranische Nuklear- und Raketenprogramm sowie die iranische Bedrohung Israels und seiner Nachbarn gerichtet seien. „Das iranische Volk hat das Recht, frei über sein Schicksal zu entscheiden“, betonte der Kanzler.

Aber: Mit zunehmender Dauer und der Ausweitung der Kampfhandlungen würden die Risiken wachsen, für Israel ebenso wie für die gesamte Golfregion. „Ein endloser Krieg ist nicht in unserem Interesse“, sagte der Kanzler.

Bei seinem Treffen mit Donald Trump hatte Merz in dieser Woche noch die Übereinstimmung Deutschlands mit den USA in der Iran-Politik betont. „Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran gestürzt werden muss“, hatte er in seinem Eingangsstatement bei seinem zweiten Besuch im Weißen Haus in Washington gesagt. Mit der Warnung vor einem dauerhaften Krieg agiert Merz nun defensiver.

Gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und Partnern in der Golfregion arbeite Deutschland an einer Perspektive zur Beendigung der Kampfhandlungen. „Das Leitbild muss eine regionale Friedensordnung sein“, betonte Merz. Die Sicherheit und Existenz aller Staaten einschließlich Israels und der Golfstaaten müsse dabei gewährleistet bleiben. Zudem brauche es einen Prozess des Dialogs und der Vertrauensbildung in der Region nach dem Ende der Kampfhandlungen. „Das militärische Nuklearprogramm sowie das ballistische Raketenprogramm Irans müssen überprüfbar beendet werden.“

Merz unterstrich, dass sichergestellt werden müsse, dass das Nuklearmaterial aus dem Iran nicht an nicht staatliche Akteure oder Drittstaaten gelange, auch müsse der Iran die Unterstützung von Terrornetzwerken einstellen. Zugleich sei aber auch wichtig, dass die territoriale Integrität des Iran gewahrt bleibe. „Iran darf nicht zum Schauplatz von Stellvertreterkriegen werden, und der iranische Staat als solches muss funktionsfähig bleiben“, mahnte der Kanzler.

Im Iran müsse die öffentliche Ordnung ebenso wie die Grundversorgung aufrechterhalten werden. „Wir wollen auch unkontrollierte Migrationsbewegungen aus Iran verhindern“, sagte Merz. Wie diese genau aussehen könnten, sei derzeit noch nicht zu beurteilen. „Wir möchten kein syrisches Szenario erleben.“ Wegen des jahrelangen Bürgerkrieges in Syrien hatten Millionen ihre Heimat verlassen und waren auch nach Europa geflohen, viele nach Deutschland.

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