Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bringt sein Bundesland für ein Pilotprojekt mit einem sogenannten Mini-Atomkraftwerk ins Spiel – und stößt damit bei SPD und Grünen auf breite Ablehnung.

Die Energie-Expertin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, bezeichnete den Vorstoß als „absurd“. Ein Wiedereinstieg in die Atomenergie verstoße in Deutschland „gegen geltendes Recht“, sagte Scheer der „Rheinischen Post“. „Die SPD wird an einer solchen Geisterfahrt-Gesetzesänderung nicht mitwirken.“

Die Vizevorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, kritisierte: „Der bayerische Ministerpräsident treibt ja gern eine Sau nach der anderen durchs Dorf.“ Mini-Atomkraftwerke seien „eine besonders teure und riskante Technologie“, sagte Verlinden der Nachrichtenagentur AFP. „Die Antwort für Energiesouveränität, Verlässlichkeit, Wertschöpfung vor Ort und günstige Strompreise ist längst erfunden und heißt Erneuerbare Energien – das weiß jedes Kind.“

Die Mini-Akw-Technik gilt bislang als wenig erprobt. Dänemark etwa schuf erst im Januar die gesetzliche Grundlage zur Nutzung von Mini-Atomkraftwerken. Die dänische Regierung will damit die Energiegewinnung aus Wind und Sonne ergänzen. Nach Angaben der IEA sind zwei Mini-Kernkraftwerke in Russland sowie China in Betrieb. Planungen dafür gebe es auch in den USA und Argentinien.

Söder plant für Deutschland notfalls einen bayerischen Alleingang. „Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt“, sagte der CSU-Chef der „Bild am Sonntag“. Bayerns Ministerpräsident bekräftigte seine seit einiger Zeit vertretene Ansicht, dass Deutschland zur Kernenergie zurückkehren müsse. „Kernenergie 2.0 bedeutet kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren“, sagte Söder.

Zwar gab er zu, dass es für eine Rückkehr zu den alten Atom-Meilern nun „zu spät“ sei. Darum plädierte der CSU-Chef für die Nutzung neuartiger modularer Kleinreaktoren und von Kernfusion. Deutschland benötige „grundlastfähige und CO₂-freie Kernkraft“, sagte er.

Abkehr von Atomkraft laut Merz „irreversibel“

Deutschland hatte seinen Atomausstieg im Jahr 2000 eingeleitet und nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 beschleunigt. 2023 ging der letzte Reaktor vom Netz.

In der Bundesregierung aus Union und SPD ist das Thema Atomkraft umstritten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte kürzlich, die Abkehr von der Atomkraft sei ein strategischer Fehler gewesen. Zugleich vertrat er die Auffassung, dieser Beschluss sei irreversibel.

Mini-Atomkraftwerke – oft benannt mit dem englischen Kürzel SMR – sind allerdings deutlich kleiner als herkömmliche Atomkraftwerke. Typisch für ein SMR ist nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) eine Kapazität von bis zu 300 Megawatt elektrischer Leistung. Da sie vergleichsweise einfach zu bauen sind, gelten SMR als kostengünstige Alternative zu großen Akw.

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