- 40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet
- Mehr Termine aufgrund Zuschlagsregelung
- 66 Empfehlungen zur Stabilisierung der Kassenbeiträge
Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hat vor deutlich längeren Wartezeiten auf einen Facharzttermin gewarnt, sollten die Vergütungen für niedergelassene Mediziner gekürzt werden. Gassen sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, wenn Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) den Kürzungsvorschlägen ihrer Expertenkommission folge, müssten Patienten wohl bald 50 Tage und mehr auf einen Facharzttermin warten.
40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet
Nach Angaben von Gassen werden wegen des bestehenden Kostendeckels aktuell 40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet. Bei einer von der Kommission vorgeschlagenen Streichung der Zuschläge, die über die Terminservicestellen oder Hausärzte vermittelt werden, würden die Facharztpraxen nur noch Termine anbieten, die auch tatsächlich bezahlt werden. Der Kassenärzte-Chef warnte: "Es kann doch wohl niemand ernsthaft davon ausgehen, dass meine Kolleginnen und Kollegen einfach so weitermachen, wenn uns nun noch über eine Milliarde Euro weggenommen wird, anstatt endlich alle Leistungen zu bezahlen, die erbracht werden."
Mehr Termine aufgrund Zuschlagsregelung
Gassen wies die Argumentation der Expertenkommission und des Bundesrechnungshofs zurück, wonach die Zuschlagsregelung für die Versicherten nichts gebracht habe. Die Fachärzte hätten in den vergangenen Jahren natürlich deutlich mehr Termine angeboten, weil es sich durch die Zuschläge finanziell gelohnt habe.
Nach Angaben der Bundesregierung betrug die Wartezeit für gesetzlich Versicherte im Jahr 2024 durchschnittlich 42 Tage. 2019, als die nun von der Kommission zur Disposition gestellten Vergütungsregeln eingeführt wurden, waren es den Regierungsangaben zufolge noch 33 Tage.
66 Empfehlungen für stabile Kassenbeiträge
Eine von Bundesgesundheitsministerin Warken eingesetzte Expertengruppe hatte Ende März 66 Empfehlungen zur Stabilisierung der Kassenbeiträge vorgestellt. Dazu gehören neben einem Ende der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Steueraufschläge auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke. Das weitaus größte Sparpotenzial sieht die Kommission bei Ärzten, Krankenhäusern und Pharmaindustrie – etwa durch eine strikte Deckelung der Vergütung.
AFP/KNA/epd (dni)
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