Der Anwalt des verurteilten früheren bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic hat beim Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMTC) in Den Haag einen Eilantrag zu dessen vorläufiger Freilassung aus gesundheitlichen Gründen gestellt. Zur Begründung hieß es in dem am Freitag vom IRMTC veröffentlichten Schreiben, der 84-Jährige befinde sich in einem Zustand „fortgeschrittener und irreversibler körperlicher Verschlechterung“ und nähere sich dem „Ende seines Lebens“.
In dem am Freitag veröffentlichten Dokument fordert die Verteidigung, Mladic für eine medizinische Behandlung nach Serbien zu überstellen. Mladic, der im UN-Gefängnis in Den Haag eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, habe kürzlich einen „akuten neurologisch-medizinischen Vorfall“ erlitten.
Er habe während eines Videoanrufs mit seinem Sohn die Sprachfähigkeit verloren und unter Schluckbeschwerden gelitten, was zu einer Noteinweisung ins Krankenhaus geführt habe.
Seit seiner Rückkehr in die Haftanstalt äußere sich Mladic unzusammenhängend. Zwei serbischsprachige Ärzte warnten dem Antrag zufolge vor einem „hohen Risiko eines unmittelbar bevorstehenden Todes“. Eine angemessene Behandlung im Gefängniskrankenhaus sei nicht möglich. Das Gericht hatte bereits Anfang der Woche ein unabhängiges medizinisches Gutachten angeordnet.
Mladic war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. 2017 wurde er wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992–1995), in dem fast 100.000 Menschen getötet wurden, zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.
Unter anderem wurde seine Hauptverantwortung für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 festgestellt, bei dem rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden. Es gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Mehrere Opferverbände hatten Ende April eindringlich an die internationale Justiz appelliert, eine Überstellung des einstigen Militärchefs nach Serbien nicht zuzulassen. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine „weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen“, erklärten die Opferverbände in ihrem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Mladic sei „mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen“.
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