Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch mindestens 800 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert. Mindestens sechs Menschen seien bei dem Beschuss von insgesamt etwa 20 Regionen ums Leben gekommen, teilte Selenskyj in den sozialen Medien mit. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden, darunter Kinder. Selenskyj warnte, dass womöglich ein Angriff mit Marschflugkörpern und ballistischen Raketen auf den Drohnenbeschuss folgen werde.

Russland will mit den nach einer dreitägigen Waffenruhe intensivierten Drohnenschlägen den Druck auf die Ukraine erhöhen, sich auf die russischen Bedingungen für Friedensverhandlungen einzulassen. Einem Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums zufolge zeigt das Vorgehen, wie Moskau seine Taktik anpasst. Diesmal sei eine große Zahl von Drohnen in einer Entfernung von fünf bis zehn Kilometern entlang der Grenze zu Belarus geflogen, um die Luftverteidigung zu umgehen und in die westlichen Regionen vorzudringen.

Schäden in der Region Rivne

„Unsere Soldaten verteidigen die Ukraine, aber das offensichtliche Ziel Russlands ist es, die Luftabwehr überzubelasten“, teilte Selenskyj mit. Bei dem stundenlangen Angriff seit Mittwochvormittag seien Lwiw nahe der Grenze zu Polen und Uschhorod an der Grenze zur Slowakei ins Visier genommen worden.

Die Slowakei schloss wegen der Angriffe kurzzeitig ihre Grenze zur Ukraine. Die Grenzpolizei teilte mit, die Grenzübergänge seien für etwa zwei Stunden geschlossen und dann wieder geöffnet worden. Es waren die heftigsten Angriffe auf Uschhorod seit Kriegsbeginn. Aus der Stadt wurden mehrere Drohnenangriffe und Explosionen gemeldet.

„Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf – einem Besuch, von dem sich viele viel versprechen“, sagte Selenskyj. Er hatte zuvor die Hoffnung geäußert, dass US-Präsident Donald Trump auf China einwirke, die Unterstützung für den russischen Angriffskrieg zu beenden.

Peking bezeichnet sich offiziell als neutral in dem Konflikt. Durch den Kauf von russischem Öl und Gas spült China aber Geld in Russlands Kriegskasse. Und das mit westlichen Sanktionen belegte Russland profitiert wiederum von den chinesischen Gütern, die es auch für seine Rüstungsindustrie nutzt.

Treffen der Länder der Nato-Ostflanke in Bukarest

In einer Rede in der rumänischen Hauptstadt Bukarest bei einem Gipfel von neun osteuropäischen Nato‑Mitgliedern forderte Selenskyj die Verbündeten auf, die Verteidigungskraft der Ukraine weiter zu stärken. Russland müsse auch mit weiterem Druck – etwa mit schärferen Sanktionen – an den Verhandlungstisch gezwungen werden, um den Krieg zu beenden. In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Staats- und Regierungschefs eine rasche Stärkung der Luftabwehr. An dem Treffen nahm auch Nato‑Generalsekretär Mark Rutte teil.

In Moskau wiederholte Kremlsprecher Dmitri Peskow die russische Aufforderung an Selenskyj, seine Truppen aus dem Gebiet Donezk abzuziehen. Dann könne es einen Waffenstillstand geben. Selenskyj lehnt es ab, die von Kiew kontrollierten Gebiete Russland zu schenken.

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