Unter dem Motto „Männer gegen Gewalt“ ist am Donnerstag am Brandenburger Tor in Berlin gegen häusliche Gewalt, Femizide und sexuelle Belästigungen von Frauen protestiert worden. Damit sollte nach Angaben der Veranstalter ein Gegenakzent zu den üblichen Vatertagsfeiern am Himmelfahrtstag gesetzt werden. „Statt den Vatertag/Herrentag mit Alkohol und (sexualisierter) Belästigung zu feiern, setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Solidarität mit Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre und transgender Personen“, erklärte die Initiative „maennergegengewalt“.

Auf Transparenten stand „Neue Männer braucht das Land“, „More feelings, less violence“ („Mehr Gefühle, weniger Gewalt“) und „Stoppt Täterschutz“. Auch der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak nahm an der Veranstaltung teil.

Grünen-Co-Chef Banaszak

„Der Kampf gegen Gewalt an Frauen muss leider immer noch vor allem von Frauen geführt werden“, sagte Banaszak dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Gewalt gegen Frauen sei „vor allem ein Problem von Männern“, sagte Banaszak. „Wir Männer müssen deshalb endlich lauter werden.“

Mit Blick auf die Kundgebung am Brandenburger Tor sagte Banaszak dem RND: „Ich wünsche mir, dass am Donnerstag viele Männer mitlaufen. Schüler, Väter, Kollegen, Minister – gerne auch der Bundeskanzler“. Banaszak fügte mit Blick auf den CDU-Politiker Friedrich Merz hinzu: „Ein bisschen frische Luft und ein klares Zeichen der Solidarität mit Frauen würden Friedrich Merz sicher gut zu Gesicht stehen.“

Die Demo am Pariser Platz

Die Veranstalter sprachen von 3500 Teilnehmern, die sich bei Regen und Hagel auf dem Pariser Platz versammelt hatten, die Polizei von etwa 800. Redner waren unter anderem der Komiker und Moderator Aurel Mertz, die Autorin und Journalistin Daniela Sepehri und der Sänger und politische Aktivist Battal, der in seiner Kindheit und Jugend selbst häuslicher Gewalt durch seinen Vater ausgesetzt war.

Gewalt gegen Frauen sei ein strukturelles Problem und habe ein Geschlecht, sagte Battal: „Es sind nicht alle Männer, aber es ist immer ein Mann.“ Gerade deswegen sei es die Verantwortung der Männer, das Schweigen zu brechen: „Es reicht nicht mehr aus, kein Täter zu sein, wir müssen endlich lauter werden und das hätte schon gestern passieren müssen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Kundgebung von Ex-„Monrose“-Star Bahar Kizil, dem Musikduo Tripkid und der queeren Rapperin goldie 333.

In Hamburg fand eine ähnliche Demonstration statt. Zahlreiche Menschen kamen auf dem Heiligengeistfeld zusammen, um sich gegen sexualisierte Gewalt an Frauen starkzumachen. Die Hamburger Gruppierung „ComeOnBoys“ hatte dazu aufgerufen. Das Ziel sei es, den „Herrentag“ inhaltlich neu zu besetzen, hieß es.

„Es fängt mit uns an. Es ist unsere Aufgabe. Es ist unsere Verantwortung“, sagte ein Sprecher in Hamburg. Unter dem Motto „Come on, Boys! – aka Der Bollerwagen der Würde“ solle dem Vatertag eine neue Bedeutung verliehen werden.

Auf Transparenten stand „Boys will be... verantwortlich“, „Kein Platz für Täterkultur“, „Men of quality do not fear equality“ oder „Bessere Männer erziehen. #Vatertag“. Auch viele Frauen und Kinder waren bei der Kundgebung dabei – und ausdrücklich willkommen.

Die Kritik an Männlichkeit habe seit der Me-too-Debatte ein enormes Tempo aufgenommen, so die Veranstalter. Es sei an der Zeit, Männerbünde, die sogenannte „Bro-Culture“, zu erkennen und aufzubrechen. „Schlechte Witze, Abwertung, Besitzdenken“ seien in bestimmten Kreisen immer noch an der Tagesordnung.

„Wieso haben die meisten Männer eigentlich keine weiblichen oder queeren Vorbilder?“, fragte ein Sprecher. Auch patriarchale Strukturen wie unbezahlte Sorgearbeit, die größtenteils an Frauen hängenbleibe, und finanzielle Abhängigkeit wurden kritisiert. Die Aufklärungsarbeit zu diesen Themen dürfe nicht an Frauen hängenbleiben.

„An der Zeit, noch wütender zu sein“

Eine Teilnehmerin sagte: „Ich bin neugierig, mir anzuschauen, was Männer hier auf die Beine gestellt haben, um sich laut zu machen gegen Gewalt an Frauen.“ Es sei an der Zeit, noch wütender zu sein und sich den Raum zu nehmen. „Und deswegen ist es wichtig, an solchen Tagen auf die Straße zu gehen, zusammenzuhalten, laut zu sein und ein Zeichen zu setzen“, so die Hamburgerin.

„Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass nicht nur Frauen die Männer mitschleppen oder nur Frauen auf solchen Demos stehen“, betonte ein Teilnehmer. „Ich habe jetzt heute Morgen auch von meinen Töchtern ein Geschenk bekommen und das finde ich auch cool“ – aber Gewalt gegen Frauen sei Alltag und dagegen aufzustehen, längst überfällig. „Es sind ja nicht nur meine Töchter, die irgendwie potenziell Gewalt ausgesetzt sind, sondern es ist die Hälfte der Gesellschaft“, betonte er.

Unter den Initiatoren der Demo sind auch bekannte Namen, etwa der Schauspieler Enrique Fiß, bekannt aus der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“, und Arne Ihlenfeld, der unter dem Künstlernamen Captain Gips als Rapper auftritt

Die Initiatoren hatten mitgeteilt: „Wir wollen keinen Tag erleben, an dem Männergruppen bis oben hin mit Alkohol gefüllte Bollerwagen hinter sich herziehen, ihre vermeintliche Männlichkeit breitbeinig vor sich hertragen und vor allem durch (sexuelle) Belästigungen im öffentlichen Raum auffallen.“ Stattdessen wollten sie sich an diesem Tag solidarisch an die Seite Gewaltbetroffener stellen - und sich „kritisch mit Männlichkeit, insbesondere männlicher Gewalt“ auseinandersetzen.

Die gesellschaftliche Diskussion über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen hatte mit Bekanntwerden der Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Ende März neue Fahrt aufgenommen. Er soll Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Tausende Menschen gingen danach in vielen Städten bei Demonstrationen auf die Straße, um mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt zu fordern.

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