Mehr als ein Drittel der Deutschen hält eine direkte Kriegsbeteiligung Deutschlands in den nächsten fünf Jahren für möglich. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage, für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey 2500 Menschen in Deutschland befragt hat und über die der „Tagesspiegel“ berichtet.

Demnach geben 34 Prozent an, eine direkte Kriegsbeteiligung für ein „wahrscheinliches und sehr wahrscheinliches Szenario“ zu halten. 54,6 Prozent halten eine direkte Kriegsbeteiligung Deutschlands für „unwahrscheinlich und sehr unwahrscheinlich“.

Viele Deutsche hätten auch ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedrohungslage, wie aus der Umfrage hervorgeht. Rund 86 Prozent sagen, die Gefahr durch hybride Angriffe wie Cyberattacken, Desinformation und Spionage sei angestiegen.

Viele befürworten deshalb eine größere Unabhängigkeit Europas auch in Verteidigungsfragen und mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) hält zur Finanzierung höherer Rüstungsausgaben Einsparungen in anderen Bereichen für berechtigt. Zur Verteidigung wird auch die Beschaffung einer europäischen Atombombe von fast 70 Prozent der Befragten nicht mehr ausgeschlossen.

Die USA werden nicht mehr als verlässlicher Partner gesehen. Eher im Gegenteil: Nur die Hälfte der Deutschen glaubt noch daran, dass die Vereinigten Staaten ihren europäischen Partnern in einem Kriegsfall militärisch zur Seite stehen würden. „Die Mehrheit der Deutschen möchte eine stärkere Unabhängigkeit von den USA und verlangt nach mehr Europa. Stärkere Eigenverantwortung ist wünschenswert“, sagte Wolfgang Zink, Partner Public Sector Consulting bei PwC Deutschland.

Deutsche fordern mehr Schutz durch den Staat

Laut PwC zeigt die Umfrage auch, dass immer mehr Bürger hohe Erwartungen an den Staat stellen: Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass der Katastrophen- und Zivilschutz schlecht aufgestellt ist, und fast 87 Prozent sprechen sich dafür aus, mehr zu investieren. Allerdings: Nur knapp die Hälfte der deutschen Haushalte hat Vorräte zu Hause. „Die Deutschen haben verstanden, dass sich die Zeiten geändert haben – und sie verlangen nach mehr Schutz. Der Unterschied zwischen Erwartungen an die öffentlichen Stellen und dem eigenen Handeln bleibt bestehen“, erklärte Zink.

Beim Thema Bundeswehr kommt die Umfrage zu einem interessanten Ergebnis: Mehr als 75 Prozent der Befragten halten es für unwahrscheinlich, dass die deutsche Bundeswehr bis 2035 die stärkste konventionelle Streitmacht in Europa wird. Dieses Ziel hat Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung im Mai 2025 verkündet. Nur 19 Prozent halten dieses Ziel für realistisch.

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