Kabarettist Uwe Steimle hat die Kritik an seinem Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen. „Ich hab mir nichts vorzuwerfen“, sagte Steimle dem Internet-Radiosender Kontrafunk. Er versuche, mit den Mitteln der Satire aufzurütteln. Er sei „ein alter Linker“ und lasse sich nicht zu einem „neuen Rechten“ machen.
Auf der AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hatte Steimle, der als Gast geladen war, am Dienstagabend die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ angestimmt. Viele Menschen im Saal sangen mit, darunter auch der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, und der AfD-Co-Chef Tino Chrupalla.
Ulrich Siegmund, Tino Chrupalla und Uwe Steimle in Dessau-RoßlauSteimle sagte, er sei überrascht, wie textsicher die Menschen gewesen seien. „Im Saal haben alle mitgesungen. Toll!“ Er sei mit der DDR-Hymne groß geworden. Er singe auch „die andere Hymne“ mit. Aber: „Ich bin nicht angekommen in der BRD.“
Der Kabarettist kritisierte, dass viele Entscheidungsträger und Immobilienbesitzer aus dem Westen kämen. „Da kann von einer Wiedervereinigung nicht die Rede sein. Wir sind ein besetztes Land. Und das ist eine Schande“, sagte er.
Viele Akteure übten deutliche Kritik am gemeinsamen Singen der DDR-Hymne. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke sprach von einer „Verharmlosung der DDR“. „Für die Menschen, die zu Opfern des Systems wurden, ist eine solche Geschichtsvergessenheit unerträglich, keine Satire“, sagte sie der „Rheinischen Post“.
Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites sagte: „Das ist eine Missachtung der Opfer der SED-Diktatur und eine Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben.“
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Steimle
Steimle hatte sich in der Veranstaltung auch abfällig über Kanzler Friedrich Merz und Altkanzlerin Angela Merkel (beide CDU) geäußert. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt. Sie hat ein Verfahren nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuchs eingeleitet. Dabei geht es um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.
Steimles Anwalt wies die Vorwürfe zurück. Es sei Aufgabe von Kabarettisten, „den Blödsinn um die Politik künstlerisch zu verarbeiten“. Dies könne nicht Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen sein. Steimle sei bereit, durch ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft die aus seinen Auftritten entstandenen Irritationen auszuräumen, hieß es in einer Erklärung.
Unter anderem fragte Steimle mit Bezug auf den Kanzler, wo sei ein Graf von Stauffenberg, wenn man ihn brauche. Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte 1944 versucht, Adolf Hitler zu töten. Der Offizier bezahlte den Umsturzversuch mit seinem Leben. Der Auftritt sei „Geschichtsklitterung par excellence“, sagte Karl Graf von Stauffenberg, ein Enkel des Widerstandskämpfers, der „Bild“.
Als Schauspieler wurde der Dresdner Steimle einem breiten Publikum unter anderem als Kommissar Jens Hinrichs in der Fernsehserie Polizeiruf 110 bekannt. Der MDR beendete 2019 die Zusammenarbeit für die Sendung „Steimles Welt“, nachdem Steimle mehrfach öffentliche Vorwürfe gegen den Sender gerichtet hatte.
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