Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die neue Führung seiner Streitkräfte angewiesen, die Mobilmachung zu verbessern. Der kommissarische Verteidigungsminister Yevhenii Khmara und der neue Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj müssten die Rekrutierung von Soldaten verbessern, sagte Selenskyj am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.
Khmara, ein früherer Geheimdienstler und Drohnenexperte, führt das Verteidigungsressort bislang nur kommissarisch, seine Bestätigung durch das Parlament steht noch aus. Er und Drapatyj sollen nach bisherigen Angaben die Angriffe auf Russland verstärken und Effizienzmängel in der Armee beheben – dazu zählen neben den Rekrutierungsproblemen auch Korruption.
Während Drapatyjs Ernennung vor wenigen Tagen in der Ukraine auf Zustimmung stieß, blicken russische Militärblogger mit Sorge auf den neuen Oberbefehlshaber. Wie der „Kyiv Independent“ berichtet, warnen sie offen vor dem neuen Mann an der Spitze der ukrainischen Armee.
Drapatyj kämpft schon seit Langem gegen Russland. Aktuell geht in der Ukraine ein zwölf Jahre altes Video viral, in dem der „fliegende Schützenpanzer“ 2014 die Barrikaden prorussischer Separatisten durchbricht. Der Kommandeur in besagtem Schützenpanzer soll Drapatyi gewesen sein.
Der russische Militärblogger Kirill Fjodorow verbreitete auf seinem Telegram-Kanal mit knapp 500.000 Abonnenten ebendieses Video und schrieb dazu: „Er hasst uns, und er hasst uns konsequent. Das heißt, er wird versuchen, uns zu töten, ungeachtet aller moralischen Schranken“, schrieb Fjodorow.
Der prorussische Blogger Jurij Podoljaka verwies laut „Kyiv Independent“ auf das Alter des neuen Oberbefehlshabers: „Drapatyj ist erst 43 Jahre alt. Und er hat diesen Krieg als Bataillonskommandeur begonnen. Das sind schlechte Nachrichten für uns. Ein General, der im Krieg aufgestiegen ist und den Krieg versteht, ist ein äußerst ernst zu nehmender Gegner.“
Neuaufstellung (v.l.): Generalstabschef Mychajlo Drapatyj, sein Vorgänger Olexander Syrskyj, Präsident Wolodymyr Selenskyj und der kommissarische Verteidigungsminister Yevhenii KhmaraSelenskyj hatte zuvor den ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nach nur sechs Monaten im Amt entlassen. Als daraufhin tagelange landesweite Proteste ausbrachen, entließ der Präsident Anfang der Woche auch Armeechef Olexander Syrskyj – und ersetzte ihn durch Drapatyj, der als reformorientierter Verbündeter Fedorows gilt.
Zugleich bemüht sich Selenskyj, den entlassenen Fedorow im Kabinett zu halten. Ihm seien mehrere Posten angeboten worden, darunter ein Ressort für Verteidigungsinnovationen im Rang eines Vizeministerpräsidenten, sagte der Präsident. Er bestätigte zudem, Ex-Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko den Botschafterposten in den USA angeboten zu haben.
Fedorow jedoch lehnte am Donnerstag ab und beansprucht sein altes Amt: „Ich werde keine andere Position als die des Verteidigungsministers annehmen“, erklärte der bei vielen Ukrainern wegen seines Reformkurses populäre Ex-Minister. Nur in diesem Amt könne er „Korruption bekämpfen“, die „Transformation der Armee vollenden“, „asymmetrische Einsätze“ gegen Russland planen und eine „Kultur der Lüge und der fehlenden Rechenschaftspflicht innerhalb des Systems ausmerzen“. Dieses Amt will Selenskyj ihm jedoch nicht erneut anbieten.
Die Organisatoren der Proteste haben bereits zu neuen Demonstrationen aufgerufen, um Fedorows Wiedereinsetzung zu fordern. Im Parlament steht zudem die Bestätigung Khmaras als Verteidigungsminister aus.
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