Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Sollstärke der Streitkräfte erneut angehoben. Ein am Montag auf einem russischen Regierungsportal veröffentlichtes Dekret legt den Personalbestand auf 2.426.130 Stellen fest, davon 1.535.000 Soldaten. Das sind 25.000 mehr als im Juni. Die Regelung tritt am 1. August in Kraft.

Es ist die dritte Erhöhung in diesem Jahr und nach Zählung des russischen Exilmediums „Meduza“ die sechste seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022. Putin hatte im Juni erklärt, die russische Truppengruppierung im Kriegsgebiet umfasse mehr als 700.000 Mann.

Zugleich will das Verteidigungsministerium verwundete Soldaten schneller wieder an die Front schicken. Ein Anfang des Monats veröffentlichter Gesetzentwurf sieht vor, dass die Rückführung verwundeter und kranker Soldaten an die Front ohne vollständige medizinische Untersuchung erleichtert werden soll.

Nach Recherchen des russischsprachigen Dienstes der BBC legalisiere der Entwurf eine bereits gängige Praxis, bei der Sanitäter oder Ärzte die Soldaten selbst begutachten, anstatt dass dies von militärischen Gesundheitskommissionen durchgeführt wird.

Der Sender wertete demnach Gerichtsakten aus. Laut BBC wurde ein Häftling nach einer Minenexplosion mit einer Titanplatte im Kopf an die Front zurückgeschickt, obwohl eine Militärärztekommission eine erneute Begutachtung empfohlen hatte.

Unterdessen geht der Krieg weiter. Moskau ist nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin zwischen Montagabend und Dienstagmorgen mit mehr als 390 Drohnen angegriffen worden. Die meisten seien „lange vor Erreichen der Stadt“ abgefangen worden, 81 im direkten Anflug, teilte Sobjanin auf Telegram mit. Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete beschädigte Wohnhäuser in Tschechow und im Dorf Waulowo.

Die Angriffe erfolgten wenige Stunden vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington, wo ihn US-Präsident Donald Trump am Dienstag im Weißen Haus empfängt.

Fast viereinhalb Jahre nach Beginn der russischen Offensive gibt es keine konkreten Aussichten auf ein Ende der Kämpfe. Beide Seiten haben ihre Luftangriffe zuletzt verstärkt.

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