Die israelische Armee hat Pläne der Hamas aufgedeckt, das Massaker vom 7. Oktober zu wiederholen – diesmal in israelischen Siedlungen im Westjordanland. Zum dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls haben israelische Militärkreise die Pläne gegenüber Journalisten dargelegt, darunter auch Reporter von „Bild“, das wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört.
Die Pläne fanden israelische Soldaten nach dem 7. Oktober in Gaza. Darin beschreiben die Terroristen laut den israelischen Sicherheitskräften Schritt für Schritt, wie sie israelische Ortschaften im Westjordanland erobern und besetzen wollten. Es war dasselbe Muster wie im Süden Israels: gewaltsam eindringen, Orte überrennen, die Kontrolle übernehmen. Für die Armee ist klar: Die Hamas wollte den 7. Oktober im Westjordanland wiederholen. Dieses Mal mitten im Land, direkt vor den Toren israelischer Städte und Dörfer.
Die entdeckten Terror-Pläne haben das Denken und die Taktik der israelischen Armee grundlegend verändert. Früher griff sie meist erst ein, wenn klar war, dass jemand einen Anschlag plante. Damit ist längst Schluss. Aus israelischen Militärkreisen heißt es: Man könne nicht mehr warten, bis man eine klare Absicht der Terroristen sehe. Die neue Regel lautet: Wenn eine Gruppe die Fähigkeiten und die Mittel für einen Angriff hat, schlägt die Armee zu – bevor etwas passiert. Den Fehler, im Vorfeld des 7. Oktober die Gefahr für einen Angriff unterschätzt zu haben, will die israelische Armee nicht wiederholen. Die Frage, ob Geheimdienste Israels Premier Benjamin Netanjahu vor dem 7. Oktober gewarnt haben, ist inzwischen ein zentrales Thema im Wahlkampf in Israel.
„Der 7. Oktober hat alles verändert, auf beiden Seiten“
Vor dem 7. Oktober 2023 waren es meist Einzeltäter, die mit Messern, Schusswaffen, Steinen oder Molotow-Cocktails angriffen. Die Armee reagierte nach einem festen Muster: Täter festnehmen, Familie überprüfen und, wenn ein Israeli getötet wurde, das Haus der Familie abreißen. Dann kam das Massaker, der schlimmste Terrorangriff in der Geschichte Israels. „Der 7. Oktober hat alles verändert, auf beiden Seiten“, heißt es aus hochrangigen israelischen Militärkreisen.
Nach Einschätzung der Experten haben die Hamas und andere vom Iran unterstützte Gruppen begriffen, dass sie zu viel mehr in der Lage seien. Statt einzelner Täter setzten sie auf organisierte Terrorgruppen. Sie besorgten Geld, schmuggelten Waffen und suchten gezielt nach Schwachstellen in Israels Sicherheitsnetz. Die größte Angriffsfläche ist laut Militärkreisen die Grenze zu Jordanien. Wegen des Friedensvertrags galt sie jahrelang als ruhig. Heute ist sie die längste und aktivste Schmuggel-Route: Vom Iran gesteuerte Milizen bringen darüber große Mengen Waffen ins Westjordanland.
Im Norden des Westjordanlands, in Dschenin, Tulkarem und Nablus, bauten Hamas und Iran laut Insidern sogenannte Katibas auf. Das sind Terror-Bataillone, die nach ihren Orten benannt sind, etwa die Katiba von Dschenin. Das Prinzip: Wer die richtige Ideologie mitbringt, bekommt Geld und Waffen.
Im Dezember 2024 versuchte die Palästinensische Autonomiebehörde, die Kontrolle über Dschenin zurückzugewinnen. Laut den israelischen Militärkreisen scheiterte sie: Fünf ihrer Sicherheitskräfte starben, auf der anderen Seite nur ein einziger Terrorist. Im Januar 2025 rückte die israelische Armee selbst ein. Mit der Operation „Eiserne Mauer“ übernahm sie die Kontrollpunkte der Autonomiebehörde und blieb dauerhaft vor Ort. Das Motto lautet: „Aggressivität mit Präzision“.
„Das ist ein Feind, der Krieg will, keinen Frieden“
Die Operation zielt auf drei Dinge: die Kämpfer, die an Anschlägen beteiligt sind, ihre Waffen und den Sprengstoff sowie die Rückzugsorte, vor allem in den Flüchtlingslagern. Dabei werden auch Drohnen eingesetzt. Offenbar mit Erfolg: Seit Januar 2025 ist der Terror aus dem Westjordanland nach Angaben israelischer Sicherheitskräfte um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. In Dschenin seien die Märkte und Schulen wieder offen, und auch kriminelle Banden seien weniger aktiv. Vorbei ist die Gefahr nicht. Es gibt nach wie vor Einzeltäter, die Steine werfen oder schießen, wenn auch seltener.
Doch was Israel weiterhin am meisten beunruhigt, ist die Ideologie der Terroristen. Gefangene hätten in Verhören erklärt, ihr langfristiges Ziel sei es, zu siegen und die Israelis „zu versklaven“. Aus den Militärkreisen heißt es: „Das ist ein Feind, der Krieg will, keinen Frieden.“
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