In Deutschland muss aus Sicht des Unternehmers Reinhold Würth wieder mehr gearbeitet werden. „Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden“, sagte der 90-Jährige der „Augsburger Allgemeinen“. „Es ist doch eine verrückte Idee von Gewerkschaftern, einen Feiertag, der auf einen Samstag oder Sonntag fällt, nachzuholen. Wo sind wir denn? Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.“

Die Statistik spreche eine klare Sprache, sagte Würth. „Da kann einem Angst und Bange um Deutschland werden: In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet.“ Und heimische Beschäftigte seien auch noch häufiger krank als Mitarbeitende in anderen Industrieländern.

„Nach der Phase des Wohlstands, des Wohllebens, der Pracht, ja der Freiheit und des freien Worts wuchsen in Deutschland die Begehrlichkeiten nach mehr Geld und noch weniger Arbeit“, sagte Würth, der in Künzelsau in Baden-Württemberg einen Weltmarktführer im Bereich der Befestigungs- und Montagetechnik aufgebaut hat. Aus der Schraubengroßhandlung seines Vaters hatte er mit zwei Beschäftigten von 1954 an einen Konzern mit mehr als 86.000 Mitarbeitern geformt. Dies brachte ihm den Spitznamen „Schraubenkönig“ ein. „Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben“, sagt er heute.

„Jüngeren Beschäftigte wurden wahnsinnig verwöhnt“

„Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen, befinden uns also in einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist.“ Zurückzurudern werde unglaublich schwierig, „weil die heutigen jüngeren Beschäftigten von ihren Eltern, die aus der Generation der Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt wurden“, sagte Würth weiter.

In Würths Unternehmen sollen die jungen Leute spielerisch die Kultur des Unternehmens lernen. „Eines meiner wichtigsten Anliegen ist: Ich hasse Arroganz, fördere Bescheidenheit und schätze Dankbarkeit.“

Würth hatte sich bereits vor einigen Jahren aus dem Tagesgeschäft seiner Firma zurückgezogen. Er selbst schaffe aber auch im hohen Alter immer noch, erklärte der 90-Jährige. „So diktiere ich manchmal um 21:30 Uhr abends zu Hause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro“, sagte Würth der Zeitung. „Und ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde.“ Seine Smartwatch habe ihm unlängst einen Orden verliehen, weil er sich über sechs Jahre entsprechend viel bewegt habe.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.