Er sucht permanent die Grenze. Und wenn er sie findet, tritt er einen Schritt darüber. Logan Paul spazierte einst durch einen japanischen Wald, in dem Menschen häufig Suizid begehen, zeigte sich mit einer Leiche und witzelte vor laufender Kamera darüber. Später feierte der Social-Media-Star im gleißenden Licht den Beginn seiner Wrestling-Karriere.

Zu seinem Debüt bei „WWE WrestleMania“, seinem ersten großen Kampf, erschien Logan Paul mit einer goldenen Kette um den Hals. Daran hing eine Pokémon-Karte, die sogenannte „Illustrator Pikachu – CoroCoro Comics“. Es ist ein Sammlerstück, von Experten mit der Bestnote bewertet, einzigartig in diesem Zustand. Und genau das Exemplar rückt den US-Amerikaner jetzt wieder in die Schlagzeilen – und auch wieder an eine Grenze.

Logan Paul hatte das Exemplar im Juli 2021 in Italien im Tausch gegen die gleiche Karte mit leichten Mängeln erworben, und eine Zuzahlung von vier Millionen Dollar (etwa 3,37 Millionen Euro) geleistet. Das entsprach einem damaligen Wert von fast 5,3 Millionen Dollar (etwa 4,44 Millionen Euro). Es war ein Weltrekord – zumindest bis jetzt.

Nie zuvor hatte jemand mehr Geld für eine Pokémon-Karte ausgegeben. Logan Paul inszenierte den Kauf als Triumph, als Beweis für Status und Gespür. So stammt die Karte aus dem Jahr 1998. Nur Gewinner eines japanischen Illustrationswettbewerbs hatten die Karte damals erhalten. Daher existieren nur sehr wenige Exemplare. In dieser Qualität gilt sie jedoch als einzigartig. Sammler nennen sie den Heiligen Gral.

Verkauf der Pokémon-Karte erzielt Weltrekord

Der Social-Media-Star nutzte diesen damals für sein Image. Er zeigte die Karte in etlichen Videos, in Interviews, später auch in einer Netflix-Serie. Die Karte wurde Teil seiner Erzählung und blieb jahrelang ein Teil seiner Inszenierung. Nun stellte Logan Paul die Karte erneut zur Auktion, arbeitete dafür mit Goldin zusammen. Das Auktionshaus aus New Jersey sprach von Interessenten aus der ganzen Welt.

Gebote gingen ein, zunächst zögerlich, dann schneller. Innerhalb weniger Tage stieg der Preis von einigen Hunderttausend Dollar auf mehrere Millionen. Die Auktion dauerte 41 Tage. Kurz vor Schluss setzte eine letzte Welle ein. Der Hammer fiel schließlich bei 13,3 Millionen Dollar. Hinzu kam das Aufgeld des Auktionshauses. Am Ende stand eine Gesamtsumme von 16,492 Millionen Dollar.

Damit übertraf der Verkauf nicht nur den eigenen Weltrekord der Karte, er machte sie damit endgültig zu einem Symbol für den Boom seltener Sammlerstücke. Goldin Auctions sprach von einer der „bedeutendsten Transaktionen in der Geschichte des Hobbys“.

Doch der Verkauf löst längst nicht nur Bewunderung aus. In sozialen Netzwerken wird seit einigen Tagen massive Kritik laut, die an ein anderes Kapitel in der doch recht sprunghaften Geschäftskarriere erinnert. Denn: 2022 bewarb er ein Projekt mit eigenen NFTs, also Non-Fungible Tokens, mit dem Namen „CryptoZoo“.

Die unternehmerische Vergangenheit von Logan Paul

Käufer sollten mit diesen Token digitale „Eier“ erwerben, aus denen virtuelle Tiere schlüpfen sollten. Durch das Kombinieren der Figuren sollten Nutzer wiederum neue Token generieren und Einnahmen erzielen können. Das Projekt wurde als eine Mischung aus Sammelspiel und Ertragsmodell beworben.

Für die Teilnahme mussten alle Interessenten in Kryptowährungen investieren. Insgesamt flossen nach Angaben von Kritikern mehrere Millionen Dollar in das Projekt. Doch das angekündigte Spiel wurde nie (also zumindest bislang nicht) in der versprochenen Form veröffentlicht. Etliche Funktionen blieben aus, sämtliche Auszahlungen fanden nicht statt – und da schließt sich der Kreis mit der Pokémon-Karte.

Denn: Auch das einzigartige Sammlerstück war zeitweise Teil eines solchen Modells. Über Pauls eigene Plattform Liquid Marketplace konnten Sammlerstücke in Form digitaler Token erworben werden. Das Konzept versprach Teilhabe an wertvollen Objekten, ohne sie physisch zu besitzen. Die Plattform geriet allerdings später in finanzielle Schwierigkeiten. Einige Investoren blieben laut übereinstimmenden Medienberichten auf ihren Anteilen sitzen.

Vor diesem Hintergrund wirkt der neue Rekordpreis für manche weniger wie ein sportlicher Erfolg, sondern abermals wie eine Grenze, die Logan Paul mindestens mal angekratzt hat. Während er nun einen Gewinn in zweistelliger Millionen-Höhe realisiert hat, fühlen sich manche Fans ausgenutzt. Sie hatten schließlich darauf gehofft, von dem Mega-Hype um die Sammelkarte zu profitieren.

Denn: Gerade Pokémon-Karten älterer Generationen, die noch in einem sehr guten Zustand sind, sind heutzutage teils unfassbare Summen wert. Neben der „Illustrator CoroCoro Comics Promo“ gibt es noch etliche weitere Karten, die ein Vermögen wert sind. Die „1st Edition Shadowless“ vom Pokémon Glurak (Charizard) aus dem Basis-Set 1999 ist zuletzt für satte 369.000 US-Dollar verkauft worden, eine Turtok-Karte, die sogenannte „Blastoise Wizards of the Coast Presentation Galaxy Star“-Karte aus dem Jahr 1998 für 360.000 US-Dollar.

Je neuer die Karten, desto geringer ist oft der Wert. Das hat einen Grund: Seit 2018 ist die weltweite Produktion neuer Pokémon-Karten massiv gestiegen. Wurden 2019 noch rund 1,5 Milliarden Karten hergestellt, waren es 2022 bereits 9,1 Milliarden. 2024 erreichte die Produktion mit 11,9 Milliarden Karten einen neuen Höchststand – mehr als das Fünffache des Niveaus von 2018.

Welche Sammelkarten besonders beliebt sind

Damit dominiert Pokémon den Trading-Card-Markt klar. Aber: Die Branche ist noch vielfältiger. „Magic: The Gathering“ gilt als die anspruchsvollste Anlage. Die ältesten Karten aus den 90ern erzielen Höchstpreise. Besonders Exemplare aus den Sets Alpha, Beta und Arabian Nights sind beliebt. Hier investieren oft erfahrene Sammler mit Verständnis für das Spiel.

Außerdem erleben Sportkarten gerade ein Comeback. Basketball, Baseball und American Football führen dabei weltweit, aber auch Fußball-Sammelkarten gewinnen an Bedeutung. Der Boom wurde durch die Pandemie befeuert, als Menschen zu Hause alte Schätze wiederentdeckten. Und auch „Yu-Gi-Oh!“ und andere Anime-Franchises haben treue Sammlergemeinschaften, bewegen sich aber preislich meist eine Stufe unter den Marktführern.

So verlockend es klingt, mit Spielkarten große Gewinne zu erzielen, so groß sind auch die Tücken des Markts. Die extreme Volatilität macht Trading Cards zu einem Hochrisiko-Investment. Preise können binnen Wochen um 50 Prozent schwanken. Was heute gefragt ist, kann morgen aus der Mode sein. Hinzukommt: Das Risiko auf Fälschungen hereinzufallen, ist riesig. Selbst Experten haben große Mühe, perfekte Replikate zu erkennen.

Dazu kommt: Sehr zum Ärger der normalen Kartenspieler hat sich neben einzelnen Karten als Geldanlage inzwischen ein großer Markt entwickelt, der noch verschlossene Pokémon Booster-Packs handelt. Schon zum Start von neuen Sets sind diese trotz der riesigen Produktionsmengen ausverkauft oder nur überteuert über den Zweitmarkt zu bekommen. Verschlossene Packs alter Generation werden teils für Zehntausende Dollar verkauft, in der Annahme, dass sich wertvolle und vor allem gut erhaltene Karten in ihnen befinden. So hatte Logan Paul im Rahmen als PR-Maßnahme für den Verkauf seiner Pokémon-Karte ungeöffnete Booster-Packs im Wert von angeblich 1,5 Millionen US-Dollar geöffnet.

Wie in allen Sammlermärkten gibt es zudem eine sehr begrenzte Liquidität. Eine Aktie verkauft sich in Sekunden, eine hochpreisige Karte braucht den richtigen Käufer. Für den Preiserhalt sollte dieser dann auch in Lagerung und Versicherung investieren. Wertvolle Karten gehören idealerweise in klimatisierte Safes, benötigen spezielle Versicherungen und professionelle Bewertungen. Das sind alles Kosten, die die Rendite schmälern.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Lea M. Oetjen schreibt seit 2025 als Redakteurin für WELT. Für ihre Arbeit erhielt sie den „Axel Springer Preis“. Das Magazin „Wirtschaftsjournalist:in“ wählte sie 2026 in die „Top 30 bis 30“-Liste der jungen Talente. Thematisch liegt ihr Schwerpunkt irgendwo zwischen Finanzen, Immobilien, Geldanlage, Wirtschaft, Börse und Social Media. Sie ist Co-Host des WELT-Podcasts „Alles auf Aktien“.

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