Angesichts der hohen Krankenstände in Deutschland spricht sich Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dafür aus, dass Arbeitnehmer am ersten Krankheitstag keinen Lohn erhalten sollen. „Die aktuell hohen Krankenstände sind ein echtes Problem“, sagte Dulger dem Nachrichtenportal „T-online“. Alles, was missbräuchliche Krankmeldungen erschwere, sei deshalb hilfreich. „Eine Idee wäre die Einführung eines Karenztages, sodass der Arbeitgeber den Lohn im Krankheitsfall erst ab dem zweiten Krankheitstag zahlt“, sagte Dulger. „Der so am Anfang ‚verlorene‘ Tag könnte dann hinten drangehängt werden.“

Der Vorteil eines solchen Systems sei: „Diejenigen, die wirklich krank sind und die lange ausfallen, bekämen dieselben Leistungen wie jetzt. Ein solches Modell würde dazu beitragen, die Zahl sehr kurzfristiger Fehlzeiten weiter zu reduzieren und den Fokus stärker auf tatsächlich notwendige Ausfallzeiten zu lenken.“

Mit Blick auf die steigenden Sozialbeiträge und die Finanzlücken bei den gesetzlichen Krankenkassen forderte Dulger zudem, dass der Bund die Gesundheitskosten der rund fünf Millionen Bürgergeldempfänger vollständig übernehmen sollte. „Wir brauchen endlich eine saubere Finanzierung“, sagte er. Der Bund zahle den Krankenkassen je Bürgergeldempfänger nur etwa 140 Euro. „Das deckt die tatsächlichen Gesundheitskosten nicht“, so Dulger. „Die fehlenden rund zehn Milliarden Euro tragen heute die Beitragszahler. Würde der Bund seinen Anteil vollständig übernehmen, könnten die Beiträge spürbar sinken.“

Der Krankenstand in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf vergleichsweise hohem Niveau geblieben. Wie aus einer Analyse des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervorgeht, gab es einen minimalen Rückgang von 5,9 auf 5,83 Prozent. Dies liege weiterhin deutlich über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie.

Den größten Anteil am Krankenstand tragen nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen, gefolgt von Atemwegsinfekten und psychischen Erkrankungen. Deren Anteil am Krankenstand ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen.

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