Das „Wall Street Journal“ hat in einer tiefgehenden Datenrecherche systematisch nachgezeichnet, wie viel Geld seit Donald Trumps Wahlsieg 2024 in ein Geflecht aus politischen Aktionskomitees, Stiftungen und Kulturinstitutionen geflossen ist, die Trump und sein Umfeld kontrollieren. Die Journal-Recherche dokumentiert mindestens 781.948.878 Dollar, verteilt auf acht Organisationen – wobei die tatsächliche Summe wegen fehlender Offenlegungspflichten bei mehreren Gruppen vermutlich höher liegt.
Die Super-PAC MAGA Inc. – eine Art Fonds für die Politikfinanzierung – sammelte mit 392,8 Millionen Dollar am meisten, gefolgt vom Trump-Vance-Inaugural-Komitee mit 241,5 Millionen Dollar. Die Donald J. Trump Presidential Library Foundation kommt auf mindestens 103 Millionen Dollar, der Trust for the National Mall – der den umstrittenen Ballsaal-Neubau am Weißen Haus finanziert – auf mindestens 34,5 Millionen Dollar.
Die größten Einzelspender im Überblick
An der Spitze der Spenderliste steht die 79-jährige Bauunternehmerin Diane Hendricks, Mitgründerin und Vorstandsvorsitzende des Bau- und Dachdeckerbedarf-Großhändlers ABC Supply mit Sitz in Wisconsin; sie gab 27 Millionen Dollar an MAGA Inc. und zählt seit Jahren zu Trumps treuesten Großspendern.
Miriam Adelson, Witwe des 2021 verstorbenen Casino-Milliardärs Sheldon Adelson und heutige Miteigentümerin des Glücksspielkonzerns Las Vegas Sands, spendete 26 Millionen Dollar über mehrere Fonds. Die 80-Jährige ist eine der einflussreichsten pro-israelischen Geldgeberinnen der US-Politik; ihr politisches Engagement gilt seit Jahren primär außenpolitischen Zielen im Nahost-Kontext, weniger regulatorischen Eigeninteressen ihres Unternehmens.
OpenAI-Präsident und Mitgründer Greg Brockman spendete zusammen mit seiner Frau Anna 25 Millionen Dollar an MAGA Inc. – die bislang größte politische Einzelspende in seiner Karriere. Die Zahlung fiel zeitlich mit einer für die KI-Industrie überaus günstigen Regulierungspolitik der Regierung zusammen, darunter erleichterte Genehmigungen für KI-Infrastrukturprojekte und die benötigten Rechenzentren und ein zurückhaltender regulatorischer Kurs gegenüber Anbietern wie OpenAI.
Bemerkenswert ist auch der Fall von Jeff Yass, Mitgründer der Investmentfirma Susquehanna International Group und mit einem geschätzten Vermögen von über 60 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer der USA. Yass und seine Firma halten über den chinesischen TikTok-Mutterkonzern ByteDance einen milliardenschweren Anteil – Susquehanna rund 15 Prozent, Yass persönlich etwa 7 Prozent, zeitweise mit einem Wert von bis zu 34 Milliarden Dollar.
Nachdem Yass sich 2024 erstmals mit Trump getroffen hatte, vollzog dieser kurz darauf eine Kehrtwende in seiner bis dahin TikTok-kritischen Haltung. Yass spendete 16 Millionen Dollar an MAGA Inc. – die erste Zahlung von einer Million Dollar erfolgte drei Tage vor Trumps Amtseinführung, unmittelbar bevor dieser die gesetzlich vorgeschriebene Zwangsveräußerung von TikTok erstmals verschob.
Eine zweite Zahlung von 15 Millionen Dollar ging kurz vor der nächsten Fristverlängerung ein. Am Ende der Verhandlungen sicherte sich Susquehanna über eine eigene Investmentgesellschaft einen Anteil an der neuen TikTok-USDS-Joint-Venture-Struktur sowie einen Sitz im Führungsgremium. Zusätzlich dazu spendete Yass mindestens 2,5 Millionen Dollar für den Ballsaal-Neubau.
Der Pipelinebetreiber Energy Transfer sowie dessen Mitgründer und Vorstandschef Kelcy Warren gaben zusammen 25 Millionen Dollar an MAGA Inc. Das Unternehmen, bekannt vor allem durch die umstrittene Dakota-Access-Pipeline, profitiert von der pro-fossilen Energiepolitik unter der Trump-Regierung und dem beschleunigten Genehmigungskurs der Regierung für Pipeline- und Öl- und Gasprojekte. Fast 6000 neue Bohrgenehmigungen für die Öl-, Gas- und Kohleförderung wurden 2025 erteilt – ein Anstieg um 55 Prozent gegenüber dem letzten Amtsjahr von Joe Biden.
Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk spendete 5 Millionen Dollar; seine Unternehmen sind über milliardenschwere Verträge mit NASA und dem Pentagon sowie regulatorische Fragen rund um autonomes Fahren eng mit Bundesbehörden verflochten. Auch Blackstone-Mitgründer und CEO Stephen Schwarzman, dessen Private-Equity-Konzern von der Deregulierungs- und Steuerpolitik der US-Regierung profitiert, sowie der Kosmetik-Erbe und langjährige pro-israelische Spender Ronald Lauder gaben je fünf Millionen Dollar.
Palantir-Chef Alexander Karp spendete eine Million Dollar – seinen bislang größten politischen Einzelbetrag. Sein Unternehmen, spezialisiert auf Datenanalyse-Software für Sicherheitsbehörden, hält umfangreiche und wachsende Verträge mit dem Verteidigungsministerium sowie mit der Einwanderungsbehörde ICE, deren Überwachungskapazitäten unter der Trump-Regierung ausgebaut wurden.
Die größten Unternehmens-Spender
Der Tabakkonzern Reynolds American (RAI Services) überwies laut Wall Street Journal acht Millionen Dollar an MAGA Inc., darunter 5 Millionen kurz bevor die Regierung Beschränkungen für aromatisierte E-Zigaretten aufhob. Die Kryptobörse Crypto.com spendete über die Muttergesellschaft Foris Dax 36 Millionen Dollar. Donald Trump, dessen Söhne selbst ein Kryptounternehmen führen, das mit dem Konterfei des Präsidenten wirbt, galt lange als Skeptiker der Branche. In seiner zweiten Amtszeit änderte er seinen Kurs und gilt seitdem als Krypto-Verfechter.
Das Rüstungsunternehmen Lockheed Martin zahlte zehn Millionen Dollar an den Trust for the National Mall und weitere rund fünf Millionen für einen neuen Hubschrauberlandeplatz am Weißen Haus. Laut einer Analyse von Public Citizen erhielten Ballsaal-Spender in den vergangenen Monaten Regierungsaufträge im Gesamtwert von über 50 Milliarden Dollar.
Drei Spenden an die Präsidentschaftsbibliothek-Stiftung – von Meta (22 Millionen), Paramount (16 Millionen) und ABC (15 Millionen) – stammen aus juristischen Vergleichen mit Trump. SoftBank ist mit 50 Millionen Dollar größter Einzelspender der Bibliotheksstiftung.
Die Reporter des „Wall Street Journal“ betonen, dass ihre Auflistung nur einen Ausschnitt zeigt. Auch darüber, wie das Geld ausgegeben werde, zeige die US-Regierung sich intransparent. Oppositionspolitiker wie die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nannten die Spendenpraxis unlängst „empörend korrupt“.
Im Weißen Haus hingegen will man keinen Interessenkonflikt erkennen. Ein Sprecher sagte dem „Journal“: „Präsident Trump ist die dominanteste Kraft in der amerikanischen Politik – von der Spendensammlung über Wahlempfehlungen bis hin zur Umsetzung seiner vernünftigen America-First-Agenda.“
Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.
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