Die Kirche des kleinen Örtchens Santa Riparata auf Korsika ist ins Halbdunkel gehüllt, der Altar blau erleuchtet. Davor haben die Musiker des Ensembles „Cantu in Celli“ ihre Pulte aufgebaut, begleiten den traditionellen Paghjella-Gesang des korsischen Barden Miché Paoli mit Celloklängen. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Besucher filmen das Konzert mit ihren Smartphones – und scheitern.

Das Halbdunkel, der hohe Kontrast zwischen den hell beleuchteten Musikern und dem blauen Hintergrund, dazu die Entfernung zwischen dem Altar und den Bänken – fast jedes Smartphone produziert bei solchen Bedingungen nur verwackelten Pixelbrei. Doch ich habe in diesem Korsika-Urlaub eine Smartphone-Geheimwaffe zum Testen dabei: Die Zoom-Kamera von Googles neuem Pixel 11 Pro schafft es, aus der letzten Reihe der Kirche Konzertvideos zu filmen, die so zuvor wohl nur mit vollwertigen Systemkameras mit Zoomobjektiv möglich gewesen wären.

Der Sänger ist scharf und unverwackelt, der Hintergrund klar abgesetzt. Aus der Hand geschossene Videos mit zehnfachem Zoom wirken stabil wie vom Stativ. Auch bei Gegenlicht-Aufnahmen im Sonnenuntergang am Strand oder auf Wanderungen in den Bergen der Region Balagne beweisen die drei Kameras der Pro-Variante der neuen Pixel-Generation, warum sie den Aufpreis von 200 Euro gegenüber dem Pixel 11 ohne „Pro“ wert sind.

Die wichtigsten Hardware-Neuerungen gegenüber dem Vorgänger Pixel 10 Pro sind im Objektivbuckel auf der Rückseite versteckt. Google hat das fast perfekte Kamera-Telefon geschaffen und richtet sich auch auf der Softwareebene klar an Nutzer, die ihr Telefon täglich für Fotografie, Videos und die Erstellung von Inhalten nutzen.

Hardwareseitig setzt Google auf einen lichtstärkeren 50-Megapixel-Hauptsensor und ein überarbeitetes Teleobjektiv mit neuem optischen Bildstabilisator und mehr Lichtstärke. Die Periskop-Optik vergrößert fünffach optisch, fängt Verwackler problemlos ab und liefert bis zur zehnfachen Vergrößerung scharfe Kanten. Der neue Chip „Tensor G6“ übernimmt die Bildnachbearbeitung direkt auf dem Gerät, optimiert Aufnahmen ohne spürbare Verzögerung.

Das wird insbesondere im neuen Nachtsicht-Modus sichtbar, innerhalb von zwei Sekunden stellt das Telefon selbst dunkle Räume in der Liveansicht auf dem Display so hell dar, dass es als Restlichtverstärker dienen könnte. Ebenfalls neu ist die Echtzeit-Nachbearbeitung von Farbstimmungen auf der Softwareebene: Ich kann vorab bestimmen, wie intensiv die Farben des Sonnenuntergangs am Strand leuchten sollen, ob der Grundton der Fotos eher warm oder klar und kalt wirken soll. Google nennt das „Pixel Camera Looks“.

Während einer laufenden Videoaufnahme extrahiert die Kamera-Software zudem mithilfe von künstlicher Intelligenz automatisch Schlüsselszenen, schneidet sie zu, optimiert Schärfe sowie Belichtung und speichert das Ergebnis als kuratierte Bildersammlung ab. Die Funktion namens „Magic Capture“ richtet sich an Nutzer, die ihre Bilder schnell und ohne große Nachbearbeitung in sozialen Medien teilen wollen.

Abgesehen von den neuen Kameras hat Google beim Pixel 11 Pro gegenüber dem Vorgänger vor allem Details überarbeitet: Das Display ist merklich heller (3600 Nits), mit anderen Worten: Am Strand lässt sich darauf problemlos bei gleißendem Sonnenlicht ein E-Book lesen. Das Gehäuse ist, Stichwort Strand, natürlich wasser- und staubdicht und gleicht optisch den Vorgängern.

Googles markant abgesetzte Kameraleiste wirkt im direkten Vergleich mit den drei Kamerawarzen des aktuellen iPhones deutlich stimmiger, zudem lässt sich das Gerät ohne Kippeln ablegen. In der Leiste integriert ist neuerdings eine Benachrichtigungs-LED, die bei umgedrehtem Telefon mit farbigen Lichtblitzen anzeigt, wenn etwa der Gemini-KI-Assistent des Telefons aktiv ist.

Die „Hi-Light“ getaufte LED ersetzt den Temperatursensor der Vorgänger, ein Überbleibsel der Pandemie-Zeit, den die meisten Pixel-Käufer wohl nie genutzt haben. Bislang aber ist „Hi-Light“ ein wenig stiefmütterlich umgesetzt. Google nutzt das volle Potenzial noch nicht. Denkbar etwa wären unterschiedliche Farb-Signale; rot bei neuen E‑Mails, grün bei WhatsApp-Nachrichten. Wer das bereits will, muss eine Drittanbieter-App installieren.

Die Akkulaufzeit ist gegenüber dem Vorgänger merklich gestiegen, laut Google vor allem dank Softwareoptimierung in der neuen Android-Version – die Vorgängergeräte profitieren also auch ein Stück weit davon. Das Thema Softwareinnovation ist Pixel-Eigentümern bereits bekannt: Google liefert den Geräten regelmäßig neue Funktionen per Software, die neue Kamera-Software etwa läuft seit dem letzten Update mit leichten Abstrichen auch auf dem Pixel 10 Pro. Der Konzern garantiert für die Pixel-Geräte sieben Jahre lang Sicherheitsupdates und neue Funktionen dank Betriebssystem-Upgrades.

Pixels neue Sprachverarbeitung kommt mit Stottern klar

Ausgeliefert wird das Gerät mit Android 17, das neue Multitasking-Optionen über frei verschiebbare App-Fenster („Bubbles“) und erweiterte Datenschutzregeln für Apps, etwa für Adressbuchzugriffe, mitbringt. Kern der Softwareerweiterungen auf dem Pixel 11 Pro ist die tiefere Systemintegration von Googles künstlicher Intelligenz Gemini. Die KI-Modelle laufen dank des neuen Tensor-G6-Prozessors weitgehend lokal. Wie gut das funktioniert, zeigt die neue Diktierfunktion „Rambler“.

Sie formatiert gesprochene Notizen automatisch in Fließtexte, löscht dabei Wortwiederholungen und Füllwörter. So gut wie das Pixel beherrscht derzeit kein anderes Smartphone eine Diktierfunktion. Auch Googles Audio-Aufnahme-App „Recorder“ gewinnt durch die bessere Spracherkennung. Sie legt in Echtzeit Gesprächsprotokolle an und unterscheidet dabei automatisch zwischen verschiedenen Sprechern. Anschließend kann Gemini die Ergebnisse zusammenfassen – ein echtes Plus für jede Büro-Besprechung.

Weniger gut schneidet das Pixel 11 Pro als Spielegerät ab – bei Benchmarks von Fachmagazinen fällt die Leistung des G6-Chips gegenüber Konkurrenzgeräten mit Qualcomms Snapdragon-Chips deutlich schwächer aus. In der Vergangenheit hatten Nutzer bei Vorgängern zudem mit Abstürzen und Hitzeproblemen zu kämpfen. Im Test funktionierte das Pixel 11 Pro bei Spielen leidlich, hatte aber etwa mit dem beliebten „Genshin Impact“ Probleme, da das Spiel auf Snapdragon-Geräte optimiert ist.

Google verlangt für das Pixel 11 Pro in der Basisversion mit 128 Gigabyte Speicher 1199 Euro. Das reguläre Pixel 11 startet bei 999 Euro. Für die Preisdifferenz von 200 Euro streicht Google beim Pixel 11 das Periskop-Teleobjektiv. Foto-Vergrößerungen erfolgen rein digital per Sensor-Crop. Abstriche gibt es auch beim Bildschirm.

Das Pixel 11 nutzt ein 6,3-Zoll-Panel mit 3000 Nits Spitzenhelligkeit. Das Pro-Modell erreicht 3600 Nits und steuert die Bildwiederholrate per LTPO-Technik variabel zwischen 1 und 120 Hertz, was den Stromverbrauch bei statischen Inhalten senkt. Das Pro-Modell beherrscht zudem drahtloses Laden mit höherer Spitzenleistung. Die 200 Euro mehr erscheinen vor allem für Nutzer gut investiert, die das Telefon als primäre Kamera nutzen.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.

Wirtschaftsredakteur Benedikt Fuest berichtet regelmäßig über das KI-Rennen, Technologie und Rüstung.

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