Unübersehbar steht es da, das Kanzleramt im Spreebogen – ein Solitär, eine weiße Trutzburg, aus der ein riesiger Würfel 36 Meter in die Höhe ragt. Eine Kulisse der Macht. Kein anderes Bauwerk der Berliner Republik ist so umstritten wie dieses kolossale Gebäude, das vor genau 25 Jahren, am 2. Mai 2001, eingeweiht wurde. Viele kritisieren es wegen seiner schieren Größe, der isolierten Lage im Spreebogen, der festungsartigen Außenmauern und der eigenwilligen, skulpturalen Hauptfassaden nach Westen und Osten.
Zwar gab es auch beim Umbau des Reichstagsgebäudes viel Kritik an den Kosten, den Verzögerungen und den schlichten neuen Innenräumen, aber der wilhelminische Parlamentsbau war den Menschen seit langem vertraut, und die begehbare gläserne Kuppel hat das Gebäude populär gemacht. Umstritten war ebenfalls, dass das Auswärtige Amt und das Finanzministerium in Berlin NS-Bauten bezogen. Aber das ist längst akzeptierte Normalität.
Ohne Vorbild in der Geschichte
Beim neuen Kanzleramt dagegen hält die Kritik bis heute an – auch wegen der aktuellen Bauarbeiten zur Erweiterung. Zu den rund 600 Personen, die derzeit in dem Gebäude arbeiten, werden etwa 400 hinzukommen, die noch auf andere Standorte in Berlin verteilt sind. Deshalb wird der Kanzlergarten jenseits der Spree zum Teil überbaut. Populär geworden ist das Gebäude nie. Dabei steht das Berliner Kanzleramt deutlicher als alle anderen Bundesbauten in der Hauptstadt für einen Neuanfang nach dem Umzug von Regierung und Parlament von Bonn nach Berlin im Sommer 1999: entstanden aus dem Nichts, ohne Vorbild in der Geschichte deutscher Staatsbauten.
Der Gegensatz zum Bonner Kanzleramt, diesem dunkelbraunen Verwaltungsgebäude von 1976, könnte kaum größer sein: Der Flachbau stand für die provisorische Hauptstadt im Westen, er duckte sich im improvisierten Regierungsviertel am Rhein förmlich weg. In Bonn vermied man nach den Verbrechen des Nationalsozialismus jede architektonische Monumentalität: keine großen Gesten, keine Achsen, keine Bauten für die Ewigkeit. Man legte Wert darauf, dass man nur Provisorien errichtet, denn eines Tages, wenn die Mauer fällt, werde man ja wieder an die Spree ziehen.
Auf der Terrasse vor der Kanzlerwohnung in der obersten Etage: Angela Merkel zeigt US-Präsident Barack Obama das Panorama (2013)Das neue Kanzleramt in Berlin steht für das wiedervereinte Deutschland, für das mit Abstand bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land in Europa, dem innerhalb der EU eine herausragende Rolle zukommt. Fast 50 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus waren die meisten Politiker und Baumeister der Meinung, dass man diese neue Rolle Deutschlands durchaus architektonisch zum Ausdruck bringen sollte.
Aber warum, so fragen sich bis heute die meisten Bürger, braucht der deutsche Bundeskanzler viel mehr Platz als der britische Premier in seinem kleinen Amtssitz 10 Downing Street, mehr als Frankreichs Präsident im barocken Elysée-Palast, mehr als die italienische Ministerpräsidentin im Palazzo Chigi? So berechtigt die Kritik am ständig wachsenden Regierungspersonal in Berlin ist – der internationale Größenvergleich der Amtssitze hat etwas Unfaires. Denn natürlich verfügt Keir Starmer über viel mehr Mitarbeiter, als in das georgianische Backsteinhaus in der Downing Street passen – sie sind auf weitere Standorte in London verteilt. Ähnlich ist es bei Emmanuel Macron, der einen Apparat von knapp 1000 Mitarbeitern beschäftigt, und auch bei Giorgia Meloni, die auf mehr als 2000 kommt. Noch ein Vergleich: Im West Wing des Weißen Hauses in Washington arbeiten rund 500 Personen, hinzu kommen weitere 1800 Mitarbeiter des US-Präsidenten in anderen Gebäuden der US-Hauptstadt.
Die enorme Ausdehnung des Kanzleramtes hat zwei Gründe. Zum einen sollten zuvor verteilte Abteilungen in einem Gebäude gebündelt werden. Zum anderen entwarfen die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank großzügige Raumfluchten, nicht nur im herausragenden würfelförmigen Leitungsgebäude, sondern auch in den Bürotrakten, wo jeder Mitarbeiter einen Blick in große Innenhöfe genießt. Sie zeichnen sich an den langen Außenmauern des Kanzleramtes als gläserne Einschnitte ab.
Die Standardbüros sind um Innenhöfe angeordnetWas die politische Botschaft der Architektur betrifft, wurde von Anfang an viel in diesen Bau hineingedeutet. Schultes, ein Romantiker mit Hang zu blumigen Erläuterungen, sagte über seinen Entwurf, in diesem solle „der Genius der Bonn-Berliner Republik sinnbildlich Ausdruck finden“. Unter Bezug auf den Philosophen Peter Sloterdijk schrieb Schultes, der Neubau solle gelesen werden „wie ein großer, generöser Satz, den die Gesellschaft über sich gesprochen hat“. Der Architekturkritiker Michael Mönninger fand, der „völlig undeutsche“ Entwurf mache dem Publikum Lust darauf, „auch sinnlich an der politischen Sphäre teilzuhaben“. Für den Journalisten Heinrich Wefing, Autor des besten Buches über das neue Kanzleramt, ist das Gebäude „ein schöner Klotz am Bein der Republik und eine prächtige Zumutung für jeden Kanzler“. Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld hingegen spottete, das Bauwerk könne auch „ein Hyatt-Hotel in Taiwan“ sein.
Um zu verstehen, wie diese gewaltige Regierungszentrale zu ihren Ausmaßen und zu ihrer Gestalt kam, muss man an zwei Wettbewerbe erinnern, die diesen Neubau definiert haben. Erst fand zu Beginn der 90er-Jahre der „Städtebauliche Ideenwettbewerb Spreebogen“ statt, der die Bebauungsstruktur des gesamten neuen Regierungsviertels bestimmte. Darauf folgte der Architektur-Wettbewerb allein für das Kanzleramt und dessen Gestaltung.
835 Entwürfe aus 44 Ländern
Zunächst aber sollte man sich vor Augen führen, wie der Spreebogen beim Fall der Mauer aussah: Wo einst das noble Alsenviertel und das Gebäude des preußischen Generalstabs standen, herrschte nach der Beseitigung der Trümmer eine große Leere zwischen dem verrußten Reichstag und der verbliebenen Schweizer Botschaft. West-Berlin hielt das Areal jahrzehntelang frei für den Fall, dass nach einer Wiedervereinigung Neubauten für Regierung und Parlament nötig werden. Aber daran glaubte sogar noch Mitte der 80er-Jahre niemand mehr. Deshalb plante die Bundesregierung an der Stelle des heutigen Kanzleramtes den Neubau des Deutschen Historischen Museums nach einem Entwurf von Aldo Rossi. Aber kurz darauf war diese Planung überholt: Die Friedliche Revolution in der DDR führte zum Fall der Mauer und schließlich zur Wiedervereinigung.
Jetzt war ein anderes Bauprogramm gefordert. 1992 lud man die Architekten der Welt ein, Vorschläge für das neue Regierungsviertel zu machen. Der Wettbewerb war die größte Architektur-Konkurrenz aller Zeiten: Insgesamt 835 Entwürfe aus 44 Ländern wurden eingereicht. Die gesamte Bandbreite urbanistischer Ideen war zu besichtigen – vom kleinteiligen Stadtquartier über Hochhauslandschaften bis zu wilden Gebäude-Collagen. Ein Architekt schlug vor, lediglich eine Tafel aufzustellen mit der Inschrift: „An diesem Ort Berlins planten die Verantwortlichen Deutschlands die Errichtung ihres neuen Regierungssitzes.“
Die Jury stand unter dem Eindruck der Debatten um die Neubebauung des Potsdamer Platzes, wo das vom Berliner Senat durchgesetzte traditionelle Blockschema als „rückwärtsgewandt“ kritisiert und als „Posemuckel“ diffamiert worden war. Im künftigen Regierungsviertel wollte man etwas Besonderes wagen. Der siegreiche städtebauliche Entwurf stammte nicht von einem internationalen Stararchitekten, sondern von den Berlinern Schultes und Frank. Mit der verführerischen Geste eines langen Gebäudebandes, das symbolisch Ost- und West-Berlin zusammenführt, überzeugten sie die Jury. Auch die Fachkritik reagierte weitgehend positiv. Einzelne Stimmen warnten, die Ost-West-Symbolik könne nur vorübergehend tragen und das „Band des Bundes“ werde den anmutigen Spreebogen wie eine neue Mauer durchschneiden.
Das „Band des Bundes“ mit Kanzleramt (unten links) und Parlamentsbauten (oben). Rechts davon der ReichstagAber der Entwurf von Schultes und Frank galt als zukunftsweisend und politisch korrekt. Denn er enthielt nicht nur die Wiedervereinigungssymbolik, sondern durchkreuzte noch im Nachhinein die Planungen für eine Nord-Süd-Achse an gleicher Stelle: Sie war in den 40er-Jahren als zentraler Bestandteil des von Hitlers Architekten Albert Speer vorangetriebenen Umbaus Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ gedacht. Dabei war das „Band des Bundes“ selbst monumental: Von Moabit bis zum Bahnhof Friedrichstraße sollte es reichen, im Entwurf immerhin halb so lang wie die geplante Nord-Süd-Achse Speers. Es mag sein, dass viele Juroren und Kritiker das Wettbewerbsmodell nicht sorgfältig „gelesen“ haben. Denn aus der Draufsicht am Planungstisch sehen selbst die Modelle monumentaler Entwürfe überschaubar und kleinteilig aus.
Zwei gegensätzliche Sieger
Mit diesem städtebaulichen Masterplan standen die Ausmaße des neuen Kanzleramtes im Wesentlichen fest – zu einem Zeitpunkt, an dem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl noch gar nicht in die Planungen eingegriffen hatte. Erst zwei Jahre später sollte er sich mit dem Bau der neuen Regierungszentrale befassen. Denn im Dezember 1994 wurde der Architektur-Wettbewerb für dieses wichtigste Gebäude innerhalb des „Bandes des Bundes“ entschieden. Nach vielen Sitzungen vermied die Jury ein klares Votum und prämierte zwei gegensätzliche Konzepte: auf der einen Seite ein bewegter, skulpturaler Entwurf von Schultes und Frank, auf der anderen Seite ein klassizistischer Entwurf des damals unbekannten Trios Krüger-Schuberth-Vandreike (KSV), junge ostdeutsche Architekten, alle Anfang 30. Das letzte Wort blieb dem Bundeskanzler überlassen.
Kohl berief daraufhin ein Beratergremium mit prominenten Vertretern aus Kultur und Medien, das ein knappes Dutzend Mal tagte. Der strenge Klassizismus des ostdeutschen Trios mit den langen Säulenkolonnaden sei anfangs auf einige Sympathie gestoßen, auch beim Kanzler, erinnerten sich Teilnehmer des Gremiums. Eine Schwäche dieses Entwurfes war, dass er in seiner Gleichförmigkeit auch die Zentrale einer großen Versicherung hätte sein können. Es fehlte das Unverwechselbare.
Die Alternative: Der Entwurf des Büros KSV bekam einen ersten Preis, wurde aber nicht gebautAnhänger des Schultes-Frank-Entwurfes fuhren zusätzlich schweres Geschütz gegen die jungen Ostdeutschen auf: Ihr Entwurf zeige Anklänge an die Nazi-Architektur, lautete ihre unmäßige Kritik, das werde nicht gut ankommen im Ausland. In einem Brief an Kohls Staatsminister im Kanzleramt Anton Pfeifer warnten der SPD-Politiker Peter Conradi und der Architekturhistoriker Wolfgang Schäche davor, dass die „New York Times“ ein Bild des einst geplanten „Führerpalastes“ und den Entwurf von KSV nebeneinander auf der Titelseite publizieren könnten, sollten die ostdeutschen Architekten den Zuschlag erhalten. Dagegen schrieb der US-Journalist Michael Z. Wise, ein Autor der „New York Times“, es sei „fatal“, eine Verbindung zwischen den Plänen Speers und denen der drei jungen Architekten herzustellen. Jahre später gab Conradi zu, seine Aktion sei „nicht ganz fair“ gewesen.
In Kohls Beraterkreis gab es am Ende ein klares Votum für Schultes und Frank. Und der Kanzler folgte der Empfehlung. Wie der Architekturkritiker Manfred Sack in seinen Aufzeichnungen notierte, habe Kohl gesagt, es sei wichtig, in Berlin etwas zu gestalten, „das Bestand hat und dessen wir uns nicht zu schämen brauchen“. Der Kanzler habe sich „eine zeichenhafte, einprägsame Architektur“ gewünscht, die jeder sofort als Signet der Berliner Republik erkenne. Und der SPD-Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann schrieb in seinen Erinnerungen, Kohl habe sich „Repräsentation ohne Pomp und Schnörkel“ gewünscht, „eine Art Weißes Haus für die deutsche Hauptstadt“. Offenbar hatte auch das Plädoyer des österreichischen Architekten Gustav Peichl, eines Freundes von Kohl, gewirkt: Der Kanzler solle eine mutige architektonische Entscheidung nach dem Vorbild des Baumeisters François Mitterrand treffen.
Aus der Ferne stimmen die Proportionen
In einem zentralen Punkt widersprechen sich die Erinnerungen der Beteiligten. Im städtebaulichen Siegerentwurf von Schultes und Frank hatten alle Gebäude im „Band des Bundes“ die gleiche Höhe – die Parlamentsbauten wie auch das Kanzleramt. Später entstand die Idee vom herausgehobenen Leitungsgebäude, das die Gebäudeflanken um das Doppelte überragt. Kohl sagte in einem WELT-Interview, dass es von ihm keine Vorgaben für diese Akzentuierung gegeben habe. Schultes dagegen erinnert sich, dass aus dem Kanzleramt der Wunsch nach stärkerer Hervorhebung gekommen sei. Kohl hielt sie dennoch für sinnvoll: Da das ursprünglich gegenüber dem Reichstag geplante neue Bundesratsgebäude nicht realisiert werde, solle das Kanzleramt das städtebauliche Pendant zum Parlament sein. Zudem müsse sich der Regierungssitz im Stadtbild behaupten.
Tatsächlich: Je weiter man sich von diesem kolossalen Bau entfernt, desto stimmiger werden seine Proportionen. In der Silhouette der Hauptstadt wirkt der Sitz des Regierungschefs keineswegs überdimensioniert. Niedriger als die Kuppel des Reichstags, ragt der helle Würfel des Leitungsbaus wirkungsvoll aus dem Häusermeer heraus. Die Ansicht vom Hauptbahnhof ist verblüffend: Wie eine komponierte Trias vereinen sich die Reichstagskuppel zur Linken, die Hochhäuser am Potsdamer Platz in der Mitte und der große Halbkreisbogen des Kanzleramtes zur Rechten.
Mit Blick auf den Reichstag: Das Arbeitszimmer des Kanzlers, hier zur Zeit von Gerhard SchröderDer Wille zur großen Geste beim „Band des Bundes“ und beim Kanzleramt muss einem nicht unsympathisch sein. Das architektonische Flickwerk in Bonn eignete sich nicht als Vorbild für eine Metropole wie Berlin, nunmehr Regierungssitz des mächtigsten Staates in Europa. Schließlich zeigt sich in anderen Metropolen, wie reizvoll raumgreifende städtebauliche Achsen sein können, etwa die Mall in Washington oder das Marsfeld in Paris zu Füßen des Eiffelturms.
Doch diese Bänder entstehen durch Grünflächen, die zu beiden Seiten von prachtvollen Gebäuden gerahmt werden. Das „Band des Bundes“ dagegen kehrt dieses Prinzip um: Hier bilden die Gebäude den Kern des Bandes, an das sich zu beiden Seiten große Grünflächen anschließen. Städtisches Leben ist im Spreebogen nicht vorgesehen. Wer sich dort aufhält, ist entweder Bundesbediensteter, Journalist, Lobbyist oder Tourist. So ähneln die Berliner Kolosse eher den monumentalen modernen Regierungsbauten, die in der Nachkriegszeit in Brasília, Dhaka oder im indischen Chandigarh auf der grünen Wiese entstanden.
Straßen enden in Sackgassen
Die langen Außenmauern des Kanzleramtes bieten kaum architektonische Reize. Die Gebäudekanten wirken wie abrasiert, kein Vordach oder Gesims schließt die glatten Fassaden ab und schützt sie vor Regen. Berlins Winter haben dem Bau über die Jahre sichtbar zugesetzt. Zudem enden die Begleitstraßen des „Bandes des Bundes“ in Sackgassen. Das vermeintlich Verbindende des Entwurfes ist im Alltag nur an einer Stelle erlebbar, dort, wo zwischen den Parlamentsbauten Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus eine Fußgängerbrücke über die Spree führt.
Das immer noch fehlende „Bürgerforum“, das Schultes und Frank an der heutigen Leerstelle zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus vorgesehen hatten, würde zwar das „Band des Bundes“ vollenden, zugleich aber den festungsartigen Charakter des Gebäudeensembles noch verstärken. Schultes hängt mit seiner Idee eines ummauerten „Bürgerforums“ bis heute der naiven Vorstellung an, der Staat könne einen Ort bestimmen, an dem sich die Menschen zu Demonstrationen versammeln sollen. Aber das Volk, der große Lümmel, protestiert bekanntlich lieber woanders.
Das Hauptfoyer mit der Skulptur „Die Philosophin“ von Markus LüpertzWirklich große Architektur ist den Architekten im Inneren der Regierungszentrale gelungen. Sie haben wunderbare Raumfolgen geschaffen, die in der Geschichte deutscher Staatsbauten ohne Beispiel sind. Ein erhabenes Foyer empfängt die Staatsgäste und zieht sie förmlich in das Gebäude hinein: Zwei Freitreppen führen auf die Ebene des großen Konferenzsaals hinauf, während sich die Decke in leichten Wellen hinabsenkt. Wie ein Allerheiligstes ist der Konferenzsaal im runden Kern des unteren Leitungsgebäudes eingeschlossen. Weite Foyers leiten über zum rückwärtigen Kanzlergarten.
In den obersten Etagen erreicht die Raumkunst ihren Höhepunkt. Hier ist alles licht, fällt alles leicht. Ein spindelartiges Treppenhaus führt hinauf und hinab auf sich mal weitenden, mal verengenden Stufen, immer wieder öffnen sich Perspektiven auf die eigenwilligen Säulen, die die großen Fensterfronten zu durchdringen scheinen. Von Balkonen wie in einem Opernfoyer lassen sich die Menschen in den anderen Geschossen des Hauses beobachten, und in der Ferne liegt das Häusermeer der Stadt. Dies ist ein modernes Serail, eine Bühne zur Inszenierung der Politik.
Bundeskanzler Gerhard Schröder mit Bundesaußenminister Joschka Fischer auf den Treppen der „Skylobby“ (2003)Einige der wichtigsten Zimmer des Hauses haben die Architekten an der Südseite des Leitungsgebäudes angeordnet: den angenehmen Kabinettssaal, das große Kanzlerbüro und die private Kanzlerwohnung. Sie alle gewähren eine privilegierte Aussicht auf das grandiose Stadtpanorama über den Baumkronen des Tiergartens, das vom Fernsehturm am Alexanderplatz über Reichstag, Potsdamer Platz und Philharmonie bis zur Siegessäule am Großen Stern reicht.
Das Leitungsgebäude strahlt eine Atmosphäre aus, wie man sie sich für einen Symbolbau der Berliner Republik nur wünschen kann. Es ist würdevoll, aber nicht erstarrt, großzügig, aber keineswegs protzig. Die Bundeskanzler, die in den vergangenen 25 Jahren dort regierten, mussten sich dieser Räume nicht schämen. Auch wenn Helmut Kohl selbst den Bau nicht bezog – in diesem Punkt hat sich sein Wunsch erfüllt.
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