Das war mal wieder eine Woche auf dem Schulhof der deutschen Außenpolitik: Friedrich Merz, der sich zügig zum Bundesabgekanzler entwickelt, dachte womöglich, er käme mit seinen hämischen Bemerkungen zu Donald Trumps Iran-Fiasko durch, wenn er sie nur im vermeintlich geschützten Raum einer Schule fallen ließe, irgendwo zwischen Tafel und Turnhalle. Die USA, erklärte er Schülern des Carolus-Magnus-Gymnasiums im sauerländischen Marsberg, seien ohne Strategie in diesen Krieg gegangen und hätten immer noch keine.
Wie ein Kügelchen aus Pauspapier und Spucke landete die Sottise auf dem Schreibtisch des amerikanischen Präsidenten. Der drohte beleidigt, dem kleinen Friedrich demnächst nicht mehr beizustehen, wenn dem Rabauken Wladimir mal wieder der Sinn nach einer gepflegten Klopperei stünde. Der Rest – Truppenabzug, Auto-Zölle – ist dann Schlag auf Schlag gekommen.
Nicht mal Merz’ bester Freund Johann Wadephul konnte helfen, der war gerade auf Exkursion in New York. Dort mühte er sich, Deutschland einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) zu beschaffen, einer Art Aula für ausgewählte internationale Schulsprecher. Obwohl Deutschland den Laden üppig mitfinanziert, muss es regelmäßig darum betteln, zu den Abstimmungen eingeladen zu werden. Gerade sieht es zum Beispiel so aus, als könnten im Rennen um die zwei Sitze für Westeuropa die Dorfschüler aus Österreich oder Portugal die Nase vorn haben – einfach, weil sie ihre Bewerbungen früher abgegeben haben.
Nicht, dass es viel ausmachen würde, ob wir mit am Tisch sitzen dürfen oder nicht. Es wird eh nur palavert, und am Ende legt eines der fünf ständigen Mitglieder ein Veto ein. Aber der UN-Bau nach Entwürfen von Le Corbusier und Oscar Niemeyer sieht super aus, und New York ist halt nicht das Sauerland. Selbst Annalena Baerbock hat es zur Vorsitzenden der Generalversammlung gebracht. Da wäre es doch arg peinlich, wenn man künftig hoffen müsste, dass sich Portugiesen oder Österreicher zu weltpolitischen Räuberleitern für Deutschland herablassen.
So ist Wadephul für die Werbung in eigener Sache jedes Mittel recht. Im Februar hat er schon die Ochsentour durch Singapur, Tonga, Neuseeland, Brunei und Australien auf sich genommen. Am Dienstag erzählte er nun am East River der Gruppe afrikanischer Staaten etwas von „Respekt – Gerechtigkeit – Frieden“, womit der Kontinent weniger gesegnet ist als mit seltenen Erden. Nicht mal vor Bestechung schreckte Wadephul zurück und verteilte unter den versammelten Delegierten ungeniert Gummibärchen.
Ding, Dong, hier kommt der Eiermann: King Charles mit Trump-GlockeKing Charles, zeitgleich in den Vereinigten Staaten zu Besuch, hatte ein vergleichsweise leichtes Spiel. Der Mann muss sich weder in die UN wählen lassen, denn Großbritannien ist auf den Sicherheitsrat abonniert, noch persönlich irgendwohin. Seine Dynastie ist seit über hundert Jahren an der Macht – selbst wenn man erst beim politisch opportunen Rebranding im Ersten Weltkrieg zu zählen beginnt, als das Haus Sachsen-Coburg und Gotha vorsichtshalber ins Haus Windsor umgetauft wurde. So stolzierte der 77-Jährige angemessen selbstbewusst durch Washington und triezte Trump mit historischen Seitenhieben. Mit Blick auf den protzigen Ballsaal, den sich der Präsident derzeit bauen lässt, sagte Charles, „dass wir Briten 1814 unseren eigenen kleinen Versuch der Immobilienneugestaltung des Weißen Hauses unternommen haben“. Gemeint war der Britisch-Amerikanische Krieg, in dem die Engländer Washington niederbrannten.
Zum Abschied schenkte Charles Trump dann noch eine goldene Glocke mit dem eingravierten Namen des Präsidenten. Angeblich stammt sie von einem U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg namens HMS Trump. In dieser Woche wirkte sie eher wie die Pausenglocke der Weltpolitik.
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