Bulgarien hat überraschend den 70. Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Sängerin Dara konnte sich mit ihrem Partylied „Bangaranga“ deutlich vor Israel durchsetzen, wie die Abstimmung im ESC-Finale in Wien in der Nacht zum Sonntag ergab. Deutschland landete mit der Sängerin Sarah Engels nur auf dem 23. Platz von 25 Finalisten. Israel wurde mit dem Lied „Michelle“ Zweiter, es folgten Rumänien, Australien und Italien sowie Finnland.
Die Wettbüros hatten seit Wochen Finnland als Sieger des ESC prognostiziert, doch das finnische Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen konnte weder die Jury noch das Publikum voll überzeugen und schaffte es lediglich auf Platz sechs. Das wie im Vorjahr zweitplatzierte Israel profitierte von einem starken Ergebnis in der Publikumsabstimmung, Dritter wurde ebenfalls durch viele Publikumsstimmen Rumänien. Das von den Wettbüros hoch gehandelte Australien landete auf dem vierten Platz vor dem fünftplatzierten Italien.
Die Platzierungen im Überblick:
- 1. Bulgarien: Dara („Bangaranga“): 516 Punkte
- 2. Israel: Noam Bettan („Michelle“): 343 Punkte
- 3. Rumänien: Alexandra Căpitănescu („Choke Me“): 296 Punkte
- 4. Australien: Delta Goodrem („Eclipse“): 287 Punkte
- 5. Italien: Sal Da Vinci („Per sempre sì“): 281 Punkte
- 6. Finnland: Linda Lampenius und Pete Parkkonen („Liekinheitin“): 279 Punkte
- 7. Dänemark: Søren Torpegaard Lund („Før vi går hjem“): 243 Punkte
- 8. Moldau: Satoshi („Viva, Moldova!“): 226 Punkte
- 9. Ukraine: Leléka („Ridnym“): 221 Punkte
- 10. Griechenland: Akylas („Ferto“): 220 Punkte
- 11. Frankreich: Monroe („Regarde !“): 158 Punkte
- 12. Polen: Alicja („Pray“): 150 Punkte
- 13. Albanien: Alis („Nân“): 145 Punkte
- 14. Norwegen: Jonas Lovv („Ya Ya Ya“): 134 Punkte
- 15. Kroatien: Lelek („Andromeda“): 124 Punkte
- 16. Tschechien: Daniel Zizka („Crossroads“): 113 Punkte
- 17. Serbien: Lavina („Kraj mene“): 90 Punkte
- 18. Malta: Aidan („Bella“): 89 Punkte
- 19. Zypern: Antigoni („Jalla“): 75 Punkte
- 20. Schweden: Felicia („My System“): 51 Punkte
- 21. Belgien: Essyla („Dancing on the Ice“): 36 Punkte
- 22. Litauen: Lion Ceccah („Sólo quiero más“): 22 Punkte
- 23. Deutschland: Sarah Engels („Fire“): 12 Punkte
- 24. Österreich: Cosmó („Tanzschein“): 6 Punkte
- 25. Großbritannien: Look Mum No Computer („Eins, Zwei, Drei“): 1 Punkt
Bulgarien war nach dreijähriger Pause erst in diesem Jahr wieder zum Eurovision Song Contest zurückgekehrt. Es ist der erste Sieg für das osteuropäische Land in dem Wettbewerb. Sängerin Dara konnte bei der Abstimmung sowohl die Jury- als auch die Publikumsabstimmung gewinnen. Die 27 Jahre alte Sängerin kam so auf 516 Punkte und ließ den Israeli Noam Bettan mit 343 Punkten deutlich hinter sich.
Auf die Frage, was das Kunstwort „Bangaranga“ bedeute, sagte Dara im ESC-Finale, es stehe für ein Gefühl. Es gehe um spezielle Energie und den Gedanken, „alles ist möglich“.
Deutschland beim Eurovision Song Contest auf Platz 23
Während Bulgarien mit dem Sieg allen Grund zum Feiern hat und im nächsten Jahr den ESC austragen wird, endete der Wettbewerb für Deutschland mit einer Enttäuschung. Die deutsche Sängerin Sarah Engels landete auf dem drittletzten Platz. Die 33-Jährige bekam insgesamt nur zwölf Punkte, wie die Auszählung in der Nacht zum Sonntag ergab. Das reichte lediglich zu Platz 23 von 25 Startern.
Sarah Engels hat dennoch keine Enttäuschung gezeigt. „Für Deutschland beim weltweit größten Musikwettbewerb zu singen, ist eine Ehre – ganz unabhängig davon, wie am Ende die Platzierungen ausfallen“, erklärte Engels in einer vom Südwestrundfunk (SWR) verbreiteten Erklärung.
Sie danke allen, die an sie geglaubt haben, erklärte Engels. Es sei für sie „ein großes Fest“ gewesen. „Deshalb habe ich mir über Platzierungen von Beginn an nicht den Kopf zerbrochen.“ Ihre Teilnahme sei eine unglaubliche Erfahrung, von der sie später sicher ihren Enkelkindern erzählen werde.
Engels war mit der Startnummer 2 ins Rennen gegangen, was vielen als schlechtes Omen gegolten hatte. Noch nie hatte ein Beitrag von Platz 2 den Wettbewerb gewonnen. Doch es war nicht nur der vermeintliche Startnummer-Fluch, der gegen die Kölnerin sprach: Bei den Wettbüros war ihr seit Wochen keine Chance auf eine vordere Platzierung eingeräumt worden.
Für Deutschland bedeutet das einen deutlichen Rückschlag. Im vergangenen Jahr war das deutsche Duo Abor & Tynna immerhin auf Platz 15 gelandet, im Jahr davor wurde Isaak für Deutschland sogar Zwölfter. Der Südwestrundfunk (SWR) verantwortete innerhalb der ARD in diesem Jahr zum ersten Mal den ESC, in den Jahren davor war der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zuständig.
Engels hatte einen ordentlichen, fehlerfreien Auftritt hingelegt. Allerdings war ihr Lied „Fire“ bereits nach dem deutschen Vorentscheid als zu gewöhnlich kritisiert worden.
Boykotte wegen Israel
Der ESC feierte in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen. Getrübt wurde das Jubiläum von einem Streit über die Teilnahme Israels. Mit den Niederlanden, Spanien, Irland, Slowenien und Island boykottierten fünf Länder den Wettbewerb aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen.
Am Rande des ESC kam es am Samstagnachmittag zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die Teilnahme Israels. Einige hundert Menschen protestierten, dabei wurden zahlreiche palästinensische Flaggen gezeigt. Die Proteste blieben ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmerzahlen lagen deutlich unter den Erwartungen der Veranstalter.
Demonstrierende protestieren vor dem Finale des Eurovision Song Contest 2026 in Wien gegen Israels Teilnahme am WettbewerbDemonstrierende halten bei einer pro-palästinensischen Kundgebung in Wien ein Plakat mit der Aufschrift „Block Eurovision“Während des Auftritts des israelischen Sängers Noam Bettan hatte es im ESC-Halbfinale vereinzelt Zwischenrufe gegeben. Daher lag für das Finale die Erwartung nahe, dass es ähnliche Reaktionen geben könnte. Aber größere Störaktionen waren zunächst nicht bemerkbar.
Bettan konnte souverän seinen Song „Michelle“ vortragen. Das Lied hatte einen dreisprachigen Text: Teile waren auf Hebräisch und auf Englisch, der Großteil jedoch auf Französisch. Als Israel viele Punkte des Publikums erhielt, waren allerdings Rufe in der Halle zu hören.
Bei einem großen Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater waren während der Schnelldurchlauf-Präsentationen der Songs ebenfalls deutliche Buh-Rufe zu hören, als der israelische Beitrag über den Schirm flimmerte. In der Nähe der Veranstaltungshalle wurden zudem 14 propalästinensische Aktivisten festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Polizei eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten und gegen das Vermummungsverbot verstoßen.
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