Die Kulisse des neuen Films von Fatih Akin ist beeindruckend: Er spielt in Hamburg. Aber nicht irgendwo in der Stadt, sondern auf dem Fernsehturm, im Hafen, vor dem Rathaus, zwischen den Messehallen und auf dem Ohlsdorfer Friedhof, kurzum, an großartigen Orten, die im Film aus der richtigen Perspektive, mit der richtigen Beleuchtung, noch beeindruckender aussehen als in Wirklichkeit. Zumal sie durch die Geschehnisse mit neuer Bedeutung aufgeladen werden. In den prachtvollen Bildern spielt sich eine romantische Tragödie ab. Eine junge Liebe endet, noch bevor sie richtig begann. Oder doch nicht?

Liebe und Suizid, Selbstverletzung, Unfalltod, Verlust

„Geister“ von Fatih Akin feierte am Donnerstag beim Filmfest Hamburg seine Deutschlandpremiere in Anwesenheit des Regisseurs und von Co-Autorin Ruth Toma im Cinemaxx am Dammtor. Der Liebesfilm ist fast ganz in Moll gehalten, ohne dass er deshalb auf Momente absurder Komik verzichtete. Wer das Kino nach fast zwei Stunden verlässt, hat es nicht nur, er ist auch geschafft. Denn das Thema Suizid, das Thema Selbstverletzung, das Thema Unfalltod, das Thema Verlust tragen den Film stärker noch als die Liebe und die Geister selbst, die zum Glück genauso aussehen wie vor ihrem Tod – also nicht etwa als Schwaden durch die Nächte ziehen, mit unscharfen Konturen unterwegs sind oder mit merkwürdig glühenden Augen durch die Gegend wabern.

Regisseur Fatih Akin auf dem roten Teppich beim Filmfest Hamburg

Farasha (Mariam Dawoud) und Faris (Eren M. Güvercin) lernen sich auf einer Abiturparty kennen, die drei Schulen zusammen feiern – im ehemaligen Restaurant oben im Heinrich-Hertz-Turm. Beide sind 20 Jahre alt und fühlen sich bei einem Schluck Wasser sofort zueinander hingezogen. Doch das Schicksal nimmt eine tragische Wendung: Farasha stirbt noch am selben Abend. Ihre Seele verharrt anschließend hartnäckig zwischen Dies- und Jenseits. Faris trauert, während Farasha nach einem Weg sucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen, mit ihm zusammen zu sein. Schließlich erfährt sie, dass sie Faris 40 Nächte lang in seinen Träumen begegnen kann – von einem anderen Geist, der sich damit auskennt. So ist auch der Plural im deutschen Filmtitel erklärt. Auf Englisch heißt der Film „Ghost Song“ – ebenfalls ein sehr berechtigter Titel, das Musikkonzept erinnert mit seinem Hauptthema an Filme von Quentin Tarantino.

Ein Paar aus dem Schauspielparadies

Sie ergreift die Gelegenheit, eine Beziehung fortzuführen, die gerade erst begonnen hat, kann das Glück einfach nicht loslassen – und Faris kann sein Glück kaum – außer im Traum – fassen. Doch wer mit einer Toten zusammen sein will, kann nicht einfach weiterleben wie bisher, wie er schnell erkennt. Und 40 Tage sind auch keine Ewigkeit. Der Countdown läuft. Wer nun wissen will, wie die Story weitergeht, muss den Film selbst schauen. Schließlich lebt die Handlung von überraschenden Wendungen. Gerühmt werden müssen neben dem Regisseur, der lediglich in der Mitte des Films ein wenig zu ausführlich und gemütlich erzählt, vor allem das Paar der Hauptdarsteller. Beide spielen nicht nur fantastisch – dass sie wunderschön aussehen, zählt irgendwie zum Romeo-und-Julia-Momentum der Geschichte.

Mariam Dawoud ist der wohl bodenständigste Geist, der je auf Erden wandelte. Mit ihrer ersten großen Filmrolle in „Geister“, der am 5. November seinen Kinostart in Deutschland hat, erzielt sie zugleich ihren Durchbruch. Eren M. Güvercin stammt aus Berlin, stand in der Hauptstadt bereits auf großen Bühnen, zum Beispiel im Deutschen Theater, und wirkte in einer ganzen Reihe von Fernsehserien und -filmen mit. Zum sehenswerten Ensemble gehören außerdem: Lama Alhalabi, Carlotta von Falkenhayn, Gabriel-Winner Amorin, David Schütter und Anna Bederke.

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