Präsident Donald Trump hat seinen Wunsch, Grönland zu besitzen, mit der Entwicklung seines noch jungen Raketenabwehrprojekts „Golden Dome“ verknüpft. Doch um dieses Ziel zu erreichen, müsste er das dänische Territorium gar nicht an sich reißen.
„Golden Dome“ ist Trumps kostspielige Vision eines mehrschichtigen Schutzschilds für die Vereinigten Staaten, der Geschosse abwehren soll, die auf das Land zusteuern. Der Präsident kündigte im vergangenen Jahr einen 175 Milliarden Dollar schweren Drei-Jahres-Plan an, ließ jedoch offen, wie seine Regierung das Vorhaben finanzieren will.
„Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, schrieb Trump am Mittwoch auf Truth Social. „Es ist von entscheidender Bedeutung für den Golden Dome, den wir aufbauen.“
Tatsächlich verfügen die USA in Grönland bereits über den notwendigen Zugang, um dort Abfangsysteme zu stationieren, mit denen feindliche Raketen zerstört werden könnten. Zudem gäbe es andere Standorte, an denen sich vergleichbare Verteidigungssysteme platzieren ließen – etwa im Bundesstaat New York oder in Kanada –, sofern die Abfangsysteme überhaupt an Land und nicht, wie vorgesehen, im All stationiert werden.
„Der richtige Weg für die USA, gemeinsam mit einem Verbündeten die eigene Heimatschutzverteidigung zu verbessern – sei es durch zusätzliche Radaranlagen, Kommunikationsantennen oder sogar Abfangstellungen –, ist eine Zusammenarbeit mit diesem Verbündeten“, sagte ein ehemaliger Regierungsbeamter aus dem Verteidigungsbereich. „Wenn die Stärkung der nationalen Verteidigung tatsächlich das Ziel ist, dann ist diese Regierung denkbar schlecht gestartet.“
Drei Gründe sprechen dafür, dass „Golden Dome“ wenig mit Trumps Wunsch zu tun hat, Grönland zu übernehmen:
1. Kooperation mit Grönland
Die militärische Präsenz der USA in Grönland konzentriert sich auf die Pituffik Space Base, die auf Grundlage eines Verteidigungsabkommens von 1951 mit Dänemark betrieben wird und den Vereinigten Staaten regelmäßigen Zugang zur Insel gewährt. Der Stützpunkt ist ein zentraler Außenposten zur Erkennung von Bedrohungen aus der Arktis, beherbergt jedoch keine Abfangsysteme.
Sollte das Pentagon dort Abfangraketen oder zusätzliche Sensoren stationieren wollen, könnte es dies laut dem ehemaligen Regierungsbeamten und einem Verteidigungsexperten schlicht in Abstimmung mit Dänemark tun. Grönland sei seit Jahrzehnten Teil des amerikanischen Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsnetzes und werde diese Rolle auch im Rahmen von „Golden Dome“ beibehalten, sagte Todd Harrison, Senior Fellow am American Enterprise Institute.
„Wir haben in Grönland bereits uneingeschränkten Zugang zu allem, was wir für den Golden Dome benötigen, aber der Präsident spricht, als wüsste er das nicht“, sagte Harrison. „Seine Aussagen zu Grönland sind von der Realität abgekoppelt.“ Auf eine Anfrage verwies das Weiße Haus lediglich auf Trumps Beitrag.
2. Stationierung auf US-Territorium
Zwar könnte sich Grönland als geeigneter Standort für bodengestützte Abfangsysteme erweisen, die Raketen aus Russland oder dem Nahen Osten auf dem Weg in die USA stoppen sollen. Doch es gibt andere mögliche Standorte, und keiner davon würde es erforderlich machen, das Territorium eines anderen Landes zu übernehmen – ein Schritt, der das Nato-Bündnis ernsthaft gefährden könnte.
Das Pentagon habe mögliche Standorte für Abfangsysteme geprüft, und der Militärstützpunkt Fort Drum im Bundesstaat New York habe in wiederholten detaillierten Analysen der Raketenabwehrbehörde überzeugt, sagte der ehemalige Regierungsbeamte, der wie andere Gesprächspartner anonym bleiben wollte. „Im Vergleich zu Fort Drum erscheint Grönland nicht als der bessere Standort für solche Abfangsysteme“, sagte er.
Auch Senator Dan Sullivan, Republikaner aus Alaska, erklärte, sein Bundesstaat könne eine „entscheidende Rolle“ bei der Unterbringung solcher Systeme spielen. Trumps Behauptung, Grönland sei für den „Golden Dome“ unverzichtbar, wirft zudem Fragen zur tatsächlichen Ausgestaltung der milliardenschweren Architektur auf. Über die Kosten hält sich das Pentagon öffentlich weitgehend bedeckt.
3. Raketenabwehr aus dem Weltall
Ursprünglich war vorgesehen, den Großteil des Systems im Weltraum zu stationieren. Ein zentraler Bestandteil von „Golden Dome“ sind weltraumgestützte Abfangsysteme – Waffen, die die Erde umkreisen und anfliegende Raketen zerstören sollen. Die Verlagerung der Raketenabwehr ins All würde jedoch den Bedarf an bodengestützten Systemen verringern und damit auch die Bedeutung zusätzlicher Landflächen relativieren.
„Wenn das Sensornetz und die Abwehr von Golden Dome – wie derzeit geplant – überwiegend weltraumgestützt sind, könnte Grönland zwar weiterhin von Wert sein“, sagte ein ehemaliger Regierungsbeamter. „Aber deutlich weniger, als es bei einer rein terrestrischen Architektur der Fall wäre.“
Dieser Text erschien zuerst in der WELT-Partnerpublikation „Politico“. Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Philip Volkmann-Schluck.
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