Seit Tagen ziert ein ungewöhnliches Plakat die Nürnberger SPD-Zentrale. Der Mann, der es dort hat anbringen lassen, ist der Nürnberger Oberbürgermeisterkandidat Nasser Ahmed. Sein Porträt prangt in Überlebensgröße auf dem Plakat, darunter der Slogan: „Mein N-Wort ist Nürnberg“. Die Aktion sorgte für bundesweiten Wirbel. Nun äußerte sich der Politiker dazu im Interview mit dem „Spiegel“.

Niemanden werde es verwundern, „dass ich als schwarzer Politiker immer wieder das N-Wort an den Kopf geworfen bekomme.“ Das erklärt der Nürnberger SPD-Oberbürgermeisterkandidat am Mittwoch. Er bekomme das N-Wort fast täglich zu hören. Als Antwort darauf hat Ahmed vor einigen Tagen das riesige Plakat anbringen lassen. Ahmed reagiert damit nach eigenen Angaben auf rassistische Anfeindungen, denen er seit Jahren ausgesetzt sei. Seine Botschaft: „Meine Identität und meine Heimat ist Nürnberg.“

Die heftige Kritik an der Wortwahl überrascht den 37-Jährigen nach eigenen Worten nicht. „Wenn man ein kontroverses Thema besetzt, dann gibt es natürlich Gegenwind“, sagte Ahmed im „Spiegel“-Interview. In persönlichen Gesprächen erlebe er jedoch überwiegend Zustimmung. Das Plakat solle betonen, „dass wir alle in der gleichen Stadt leben“. Die Menschen sollten sich, trotz aller Individualität, wieder darauf konzentrieren, was sie „miteinander verbindet“.

Kritik an der Plakataktion kommt aus mehreren Richtungen, auch aus Teilen der schwarzen Community, die vor einer Retraumatisierung warnt. Ahmed erklärt, er nehme diese Einwände ernst. „Auch ich habe schmerzhafte Erfahrungen mit rassistischen Beleidigungen und Angriffen gemacht“, gab er im Interview zu. Zugleich wolle er sich nicht vorschreiben lassen, „wie ich mich persönlich positioniere und wie ich mit meinen Erfahrungen umgehe“.

Des Weiteren berichtet Ahmed von massiven Anfeindungen seit seiner Kandidatur. Nach der Bekanntgabe seiner Bewerbung habe er „tausendfach Beleidigungen, Hass und Hetze“ zu hören bekommen. „Leute behaupten, ich könne kein Nürnberger sein, einfach, weil ich schwarz bin“, sagt er. Sogar Drohpost habe es gegeben.

Den Vorwurf, es handele sich um reine PR, weist Ahmed zurück. „Für mich ist es real“, sagte er. Er spreche bewusst von einem „Reclaiming“ des Begriffs. „Ich nehme dieses N-Wort, das mich außerhalb der Stadtgesellschaft stellen soll, und deute es um.“ Nürnberg solle eine Stadt sein, „in der nicht Herkunft, Aussehen oder Name zählen, sondern das, was Menschen beitragen“.

Nasser Ahmed wurde 1988 als Sohn eritreischer Flüchtlinge in Nürnberg geboren. Er studierte Politikwissenschaften, ist seit 2021 Vorsitzender der Nürnberger SPD und seit 2023 stellvertretender Generalsekretär der bayerischen SPD. Die Oberbürgermeisterwahl in Nürnberg findet am 8. März statt. Ahmed tritt gegen den amtierenden CSU-Oberbürgermeister Markus König an.

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