Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind wegen Tariferhöhungen in der Pflege und der Inflation weiter deutlich gestiegen. Das zeigen zwei Auswertungen des AOK-Bundesverbandes und des Verbandes der Ersatzkassen (VdEK).
Laut AOK-Analyse, die dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ vorliegen, kletterte der Betrag, den die Pflegebedürftigen im ersten Jahr des Heimaufenthalts selbst aufbringen müssen, zwischen Juni und Ende Dezember 2025 im Bundesdurchschnitt um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro.
Dabei gibt es zwischen den Ländern weiterhin enorme Unterschiede: Die höchsten Eigenanteile sind mit 3.528 Euro in Nordrhein-Westfalen zu zahlen, die niedrigsten mit 2.661 Euro in Sachsen-Anhalt. Im bundesweiten Schnitt kostet unter Berücksichtigung der Zahlungen der Pflegeversicherung ein Heimplatz nunmehr erstmals mehr als 5.000 Euro – konkret 5.033 Euro. Ende 2024 waren es noch 4.715 Euro.
Der VdEK, der unter anderem die TK, die Barmer und die DAK vertritt, kommt in seiner aktuellen Auswertung zu sehr ähnlichen Zahlen. Im ersten Jahr in der Einrichtung müssen Pflegebedürftige im bundesweiten Schnitt 3.245 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen – 137 Euro mehr als zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang 2025.
In der VdEK-Auswertung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sind die höchsten Eigenanteile im ersten Jahr in Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro im Monat und im Saarland mit 3.601 Euro zu zahlen. Am niedrigsten war die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim nun in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit je 2.903 Euro.
AOK-Bundesverband: Eigenbeteiligung muss begrenzt werden
Die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf, ihre Zusage einzulösen und das Problem der steigenden Eigenanteile mit der geplanten Pflegereform in den Griff zu bekommen. „Im Rahmen der anstehenden Pflegereform muss an verschiedenen Schrauben gedreht werden, um die Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen in den vollstationären Einrichtungen wirksam zu begrenzen“, sagte Reimann dem RND.
Zentrales Problem sei, dass Pflegeheim-Bewohner die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten ausgleichen müssten. „Wenn die Länder hier ihren Verpflichtungen für den Bau und die Instandhaltung der Heime nachkommen würden, könnte man eine deutliche Entlastung bei den Eigenanteilen erreichen“, sagte Reimann.
Auch die VdEK-Chefin Ulrike Elsner, erwartet, dass die Bundesländer sich stärker an den Pflegekosten beteiligen. Dass das Pflegepersonal gut bezahlt werde, sei richtig, sagte Elsner. Es könne aber nicht sein, dass Lohnsteigerungen zum großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Es brauche eine „solidarische Lösung“. Auch sollte der Staat stärker Investitions- und Ausbildungskosten stärker finanzieren.
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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will in den nächsten Monaten eine grundlegende Reform angehen, die auch die Beiträge zur Pflegeversicherung stabilisieren soll. In diesem Jahr schießt der Bund nochmals 3,2 Milliarden Euro als Darlehen für die Pflegeversicherung zu. Über diverse Vorschläge und Forderungen wird schon länger diskutiert – von mehr Steuergeld über Grenzen für Eigenanteile bis zu einem Umbau zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten trägt.
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