Die EU-Kommission erwägt, trotz einer Blockade durch das EU-Parlament das Freihandelsabkommen mit der südamerikanischen Ländergruppe Mercosur vorläufig einzuführen.

Die EU wäre zum Handeln bereit, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel. Einzige Bedingung: „Sobald eines der Mercosur-Länder das Abkommen ratifiziert hat“, wie von der Leyen ergänzte. Das Parlament der Europäischen Union hatte die Ratifizierung der Vereinbarung am Mittwoch verzögert, um sie rechtlich prüfen zu lassen – ein Prozedere, das mehrere Monate dauern könnte.

Von der Leyen sagte, es gebe „eindeutiges Interesse daran, dass wir dafür sorgen, dass die Vorteile dieses Abkommens so bald wie möglich gelten“. Noch sei keine offizielle Entscheidung getroffen worden, das Freihandelsabkommen umzusetzen.

Wenn die EU-Kommission das Abkommen tatsächlich vorläufig einführt, dürfte das Kritik von Gegnern der Mercosur-Vereinbarung hervorrufen, darunter Frankreich. Die französische Regierung forderte einen stärkeren Schutz für Bauern und hat sich um eine Verzögerung des Abkommens bemüht. Bundeskanzler Friedrich Merz hingegen beschrieb die Entscheidung des EU-Parlaments, das Abkommen vorerst nicht zu ratifizieren, als bedauernswert. Er setzt sich für eine vorläufige Umsetzung des Abkommens ein.

Das Abkommen soll Zölle auf Waren zwischen der EU und Ländern der Gruppe Mercosur abschaffen. Betroffen wären unter anderem Rindfleisch aus Argentinien und Autos aus Deutschland. Durch die Einführung des Abkommens entstünde eine der weltweit größten Freihandelszonen. Mehr als 700 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher könnten günstigere Einkäufe tätigen.

Zu Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Das neueste Mitglied Bolivien ist nicht Teil des Freihandelsabkommens, könnte diesem aber noch beitreten. Die Mitgliedschaft Venezuelas bei Mercosur ist ausgesetzt worden. Unter den südamerikanischen Ländern ist das Abkommen beliebt, eine Ratifizierung dort gilt als sicher.

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