Sahra Wagenknecht hält die geplante Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit für einen Fehler. „Das Schleifen des Acht-Stunden-Tages ist eine Kampfansage an alle Arbeitnehmer und ihr Familienleben“, sagte die Gründerin und Namensgeberin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) WELT. Die Bundesregierung plant eine Flexibilisierung der täglichen Grenze zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

„Schon heute leisten die Beschäftigten immer mehr Überstunden, die aktuell aber wenigstens mit entsprechenden Zuschlägen vergütet werden müssen. Gerade bei harter körperlicher Arbeit sind verlängerte Arbeitszeiten ein Anschlag auf die Gesundheit, ohnehin nehmen stressbedingte Erkrankungen seit Jahren zu“, sagte Wagenknecht. Längere Arbeitszeiten senkten zudem die Produktivität.

Dass sich die SPD an einer möglichen Flexibilisierung beteilige, sei ein „Armutszeugnis“, so Wagenknecht zu WELT. „Statt Attacken auf Arbeitnehmer im Wochentakt brauchen wir endlich einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch preiswerte Energie, Bürokratieabbau und Investitionen in die Infrastruktur.“

Die bestehenden Regelungen seien ausreichend flexibel, betonte Wagenknecht, die Ende 2025 den Vorsitz ihrer Partei abgegeben hat. Künftig will sie als politische Richtungsgeberin des BSW wirken.

Das Vorhaben der Flexibilisierung ‍der Arbeitszeit bekräftigte die schwarz-rote Bundesregierung in ihrer am Mittwoch beschlossenen Nationalen Tourismusstrategie. „Die Bundesregierung will im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit ⁠einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen – auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, heißt es darin im selben Wortlaut wie im Koalitionsvertrag.

Das Bundesarbeitsministerium will in den kommenden Monaten einen ersten Entwurf für Änderungen bei den gesetzlich geregelten Arbeitszeiten vorlegen. Ein ⁠Referentenentwurf sei für das erste Halbjahr 2026 geplant, teilte das von SPD-Co-Chefin Bärbel Bas (SPD) geführte Ministerium ‍auf Anfrage mit. Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften haben demnach keine Annäherung gebracht. Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit von derzeit acht Stunden zu schaffen, um die Flexibilität zu erhöhen.

Nach der Grundregelung im bisherigen Arbeitszeitgesetz darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann allerdings auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

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