Das Verhältnis zwischen den Nachbarn Kanada und den USA gilt seit dem Beginn der zweiten Trump-Administration als stark belastet. Es gab Handelsstreitigkeiten, gegenseitige Vorwürfe der Einflussnahme und Drohungen, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Nun könnte ein weiterer kritischer Punkt hinzuzukommen: eine separatistische Bewegung in der kanadischen Provinz Alberta, die offenbar gezielt den Kontakt zur US-Regierung sucht.
„In ein fremdes Land zu gehen und um Hilfe zu bitten, um Kanada zu spalten — dafür gibt es ein altmodisches Wort, und dieses Wort ist Hochverrat“, sagte David Eby, Premierminister von British Columbia, im kanadischen Fernsehen. Und Ontarios Premier Doug Ford sagte mit Blick auf US-Präsident Trump: „Er will Kanada – und das wird nicht passieren. Wir werden mit jedem Mittel kämpfen, das wir haben“, berichtet die US-Ausgabe von „Politico“.
Kanadas Premierminister Mark Carney forderte unterdessen Washington auf, sich aus der Debatte herauszuhalten. „Wir erwarten, dass die US-Regierung die kanadische Souveränität respektiert“, sagte Carney in Ottawa. In Gesprächen mit US-Präsident Trump habe er dies stets klargemacht, „und gehe dann dazu über, was wir gemeinsam tun können“.
Alberta liegt im Westen Kanadas zwischen den Rocky Mountains und den Prärieprovinzen. Die rund 4,7 Millionen Einwohner zählende Provinz ist reich an Öl- und Gasvorkommen und gilt als wirtschaftliches Rückgrat des Landes. Politisch ist Alberta seit Jahrzehnten konservativ geprägt und steht häufig im Konflikt mit liberalen Regierungen in Ottawa.
Hintergrund der aktuellen Spannungen ist eine separatistische Bewegung, die Alberta aus dem kanadischen Staatsverband lösen will. Aktivisten werfen der Bundesregierung vor, die rohstoffbasierte Wirtschaft der Provinz durch Klimapolitik, Umweltauflagen und Steuerregeln zu benachteiligen. Sie argumentieren, Alberta trage überproportional zum Wohlstand Kanadas bei, profitiere jedoch politisch und finanziell zu wenig davon.
Die Organisation Alberta Prosperity Project sammelt derzeit Unterschriften für ein mögliches Referendum über die Unabhängigkeit der Provinz. „Alberta wird eine Verfassung für Alberta von und mit den Albertanern schaffen“, hat sich die Organisation als Ziel vorgegeben. Zugleich sucht sie offen Unterstützung in den USA – nach eigenen Angaben sogar in Form eines Kredits in dreistelliger Milliardenhöhe. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte eine Aussage von Trumps Finanzminister Scott Bessent, der Alberta als „einen natürlichen Partner für die USA“ bezeichnete.
Separatistische Bestrebungen in den zehn Provinzen und drei Territorien sind in Kanada kein neues Phänomen. In der französischsprachigen Provinz Quebec gab es bereits zwei Referenden über die Unabhängigkeit – 1980 und 1995 –, die jedoch beide knapp scheiterten.
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