- Eizellenspenden sind bisher nur im Ausland möglich. Grund ist das alte Embryonenschutzgesetz, das sogar Beratung unter Strafe stellt.
- Frühere Bedenken dagegen sind jedoch heute nicht mehr haltbar.
- Bundesgesundheitsministerin plante Legalisierung in engen Grenzen.
Jedes Jahr bekommen Schätzungen zufolge etwa 4.000 deutsche Frauen eine Eizellspende. Ihnen wird also eine oder mehrere Eizellen anderer Frauen eingesetzt, weil eine Schwangerschaft mit den eigenen Eizellen nicht möglich ist. Allerdings passiert das nicht in Deutschland, denn hier ist die Spende aktuell noch verboten.
In den meisten anderen europäischen Ländern ist das aber nicht der Fall, erklärt die Medizinethikerin Claudia Wiesemann von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: "Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch gehen ins Ausland, wenn sie sich das leisten können – das ist schonmal eine Frage des Wohlstandes." Zum Beispiel nach Spanien, Tschechien oder England. Das seien Länder, in denen das möglich sei, erklärt Wiesemann. "Sie erhalten dann dort eine Spende von einer jungen Eizellspenderin."
Embryonenschutzgesetz: Sogar Beratung zur Eizellspende ist strafbar
Die Kosten von mehreren tausend Euro müssen die Betroffenen selbst tragen, denn die deutschen Krankenkassen zahlen dafür nicht. Sich in Deutschland von Ärzten darüber aufklären zu lassen ist auch nicht möglich, erklärt Wiesemann: "Eine besondere Problematik entsteht dadurch, dass die Eizellspende im Rahmen des Strafrechts verboten ist." Das bedeute für Reproduktionsmedizinerinnen und -mediziner, dass sie sich strafbar machen könnten – auch, wenn sie Paare zum Thema Eizellspende nur berieten.
Geregelt ist das Verbot im mehr als 30 Jahre alten Embryonenschutzgesetz. Begründet wurde es damals mit medizinischen Risiken und der Sorge, dass Kinder, die auf diesem Weg geboren werden, später psychisch darunter leiden könnten.
Medizinische und ethische Bedenken nicht haltbar
Wiesemann sagt, dass sich die gesundheitlichen Risiken mittlerweile auf ein Minimum reduzieren ließen und es auch keine schlagenden ethischen Gründe mehr gegen die Eizellspende gebe: "Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass diese Kinder normal aufwachsen und auch nicht diese großen Identitätsprobleme haben, die befürchtet wurden, vor allem dann, wenn es eine offene Spende ist." Man habe später auch die Chance, als Erwachsener die genetische Mutter kennenzulernen.
Warkens Vorschlag: Überzählige legale Eizellen sollen verwendet werden dürfen
Die Initiative von Gesundheitsministerin Nina Warken bezeichnet Wiesemann als Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht groß genug ist. Denn vorgesehen ist darin bisher lediglich, die Eizellen zu nutzen, die Frauen nicht gespendet, sondern legal für eigene Fruchtbarkeitsbehandlungen eingefroren, aber nicht genutzt haben.
Schritt in die richtige Richtung
Auch Lina Seitzl, Gesundheitspolitikerin der SPD, geht der Vorstoß nicht weit genug. "Ich finde schon, dass man darüber sprechen muss – und ich schließe mich auch der Forderung an –, Eizellspenden weiter zu legalisieren, auch dann wenn sie wirklich gespendet werden für die Nutzung in einer Kinderwunschbehandlung."
Verhaltener äußert sich Paula Piechotta, Gesundheitspolitikerin der Grünen aus Leipzig. Sie glaubt nicht, dass sich im Bundestag eine Mehrheit dafür findet, die Eizellspende über den Vorschlag von Nina Warken hinaus zu legalisieren: "Wir sollten jetzt vor allem das in den Blick nehmen, was kurzfristig vielen Paaren in Deutschland hilft – dass sie für eine fehlende Eizelle nicht mehr ins Ausland fahren müssen."
Außerdem sollten Frauen, die in Deutschland ihre Eizellen einfrieren lassen, sich auch sicher sein können, dass die überzähligen nicht einfach verworfen werden, sondern dass damit auch noch anderen Paaren geholfen werden kann.
Nach Einschätzung der Medizinethikerin Claudia Wiesemann werden diese Eizellen zwar ausreichen, um einigen betroffenen Paaren zu helfen, aber bei weitem nicht allen.
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