Wenn die Union sich in der Vergangenheit auf etwas verlassen konnte, dann war es die ihr zugesprochene Kompetenz in Wirtschaftsfragen. Doch nicht einmal darauf können sich CDU und CSU mehr ausruhen, wie der Deutschlandtrend von Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT für den Monat September zeigt: Seit Februar 2026 ging die der CDU/CSU zugeschriebene Wirtschaftskompetenz von 31 auf 24 Prozent zurück.

Damit wird der Union bei diesem Thema zwar immer noch die größte Expertise zugeschrieben, sie hat aber deutlich an Vorsprung zur AfD eingebüßt. Diese legte um zwei Punkte auf 20 Prozent zu, die SPD um einen Punkt und die Grünen um vier Punkte auf jeweils zehn Prozent. Vier Prozent der Befragten attestieren der Linkspartei Wirtschaftskompetenz. Die nicht im Bundestag vertretenen Parteien FDP und BSW kommen auf sechs beziehungsweise zwei Prozent.

Die Schwäche der Union spiegelt sich auch in anderen Kompetenz-Zuweisungen der Wahlberechtigten. So sank der Wert im Bereich Friedenssicherung in Europa von 31 auf 23 Prozent, in der Asyl- und Flüchtlingspolitik von 24 auf 19 Prozent, beim Thema Rente von 21 auf 15 Prozent, bei der sozialen Gerechtigkeit von 15 auf neun sowie in der Klima- und Umweltpolitik von 14 auf acht Prozent. Die Vergleichszeiträume bei der Erhebung dieser Werte liegen zwischen sieben und 19 Monaten.

Die AfD hat auf fast allen diesen Kompetenzfeldern zugelegt. Beim Thema soziale Gerechtigkeit schließt die AfD – wie auch die Linke – mit 18 Prozent fast zur SPD auf, die nach deutlichen Verlusten mit 20 Prozent nur noch knapp vorn liegt. Bei der Asyl- und Flüchtlingspolitik erreicht die AfD mit deutlichem Abstand zur Union den höchsten Kompetenzwert (26 Prozent). Im Osten Deutschlands ist die AfD diejenige Partei, der auf allen abgefragten Politikfeldern mit Ausnahme der Klima- und Umweltpolitik das meiste Sachvertrauen entgegengebracht wird.

Mehr als 80 Prozent mit Arbeit der Regierung unzufrieden

Parallel zum Bedeutungsverlust der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD in ihren bisherigen Kernkompetenzen ist die Zufriedenheit mit der Bundesregierung weiterhin schlecht. „Zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ sind nur 15 Prozent der Wahlberechtigten mit ihrer Arbeit, die große Mehrheit ist „weniger“ (39 Prozent) oder „gar nicht“ zufrieden (45 Prozent). Selbst unter den Unionsanhängern ist eine Mehrheit von 58 Prozent mit der von Friedrich Merz (CDU) geführten Regierung unzufrieden.

Dieses Stimmungsbild spiegelt sich auch in der Sonntagsfrage. Führende Partei wäre bei einer Bundestagswahl mit 27 Prozent nach wie vor die AfD, gegenüber dem Vormonat büßt sie einen Prozentpunkt ein. Die Union erreicht unverändert 21 Prozent, die Grünen 15. Die SPD und die Linke legen jeweils einen Punkt auf 13 beziehungsweise zwölf Prozent zu. Die FDP würde es mit unverändert vier Prozent nicht in den Bundestag schaffen.

Beliebtester Politiker bleibt mit 51 Prozent Zustimmung Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, minus zwei Punkte), mit weitem Abstand vor Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit 34 Prozent (plus zwei) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit 30 (plus zwei). Es folgen AfD-Fraktionschefin Alice Weidel (AfD, 26 Prozent) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD, 22). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt nur noch auf 13 Prozent Zustimmung. Er büßt gegenüber dem Vormonat einen Prozentpunkt ein und findet sich gleichauf mit seiner Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf den hinteren Rängen, knapp vor Grünen-Chef Felix Banaszak (zwölf Prozent). Am unbeliebtesten von den abgefragten Politikern ist Linke-Chefin Ines Schwerdtner (sieben Prozent).

Beunruhigt zeigen sich die Deutschen durch das Agieren Russlands. Nach dem gescheiterten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle sieht mehr als die Hälfte der Bundesbürger aktuell die Sicherheit der Bundesrepublik durch Russland bedroht. 16 Prozent fühlen sich demnach „sehr stark“, weitere 40 Prozent „stark“ bedroht. 27 Prozent empfinden diese Bedrohung hingegen „weniger“ und zwölf Prozent „gar nicht“.

Das Bedrohungsempfinden variiert dabei nach Parteianhängern betrachtet sehr stark. Unterstützer von Union und Grünen fühlen sich zu je 73 Prozent am stärksten bedroht, es folgen Anhänger von SPD (69 Prozent) und Linkspartei (57 Prozent).

Ein Alleinstellungsmerkmal haben die Anhänger der AfD: 68 Prozent von ihnen fühlen sich „weniger“ oder „gar nicht“ von Russland bedroht. Dazu passt, dass das Bedrohungsgefühl in Ostdeutschland deutlich geringer ausgeprägt ist als im Westen. Während sich dort 59 Prozent von Russland bedroht fühlen, sind es im Osten 42 Prozent.

Zur Methodik: Für den repräsentativen Deutschlandtrend hat Infratest Dimap vom 31. August bis 2. September 1319 wahlberechtigte Bürger in 787 Telefon- und 532 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.

Sabine Menkens berichtet über gesellschafts-, bildungs- und familienpolitische Themen.

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