Produktnamen bei Ikea folgen einem klaren Muster. In den meisten Fällen sind es skandinavische Ortsnamen. So auch bei der neuesten Kollektion des schwedischen Möbelriesen: Yxstaby heißt ein neunteiliges Set aus dem Bereich Gaming-Möbel. Die namensgebende Ortschaft liegt westlich von Stockholm im Landesinneren und war trotz – oder gerade wegen – der ungewöhnlichen Buchstabenfolge die logische Wahl. „Wir haben einen Namen gesucht, in dem die Buchstaben A, B, X und Y vorkommen“, beschreibt Philip Dilé, Produktentwickler für Ikea. „Denn das sind die vier Aktionstasten eines Xbox-Controllers.“ Und mit Xbox-Anbieter Microsoft ist Ikea gerade eine Kooperation eingegangen.

Vorgestellt wurde die Zusammenarbeit und die im Zuge dessen entwickelten Möbel auf der weltgrößten Computerspielemesse Gamescom in Köln. Auf dem Xbox-Stand hat Ikea dafür ein kleines Wohnzimmer eingerichtet und mit Yxstaby ausgestattet. Neun Produkte umfasst die ab Oktober erhältliche Serie, die vielfach Designelemente der Xbox-Hardware aufgreifen.

Ein Hocker zum Beispiel hat die Form des Controller-Joysticks, ein Kissen wiederum die des Steuerkreuzes. Es gibt aber auch einen Gaming-Sessel mit einer unter der Sitzfläche angehängten Tasche zum Ablegen des Controllers in Spielpausen, dazu ein mobiler TV-Ständer auf Rollen mit integriertem Kabelmanagement und einer hinter dem Bildschirm versteckten Aufhängung für die Konsole sowie weiteres Gaming-Zubehör. Und es gibt für Controller einen kleinen Schaukasten mit Innenverspiegelung, der an die Wand montiert wird und damit die oft individuell gestalteten Steuereinheiten zur Geltung bringt.

Die Orientierung in Richtung Gamer kommt dabei für Ikea nicht von ungefähr. „Gaming ist mittlerweile eins der weltweit wichtigsten Hobbys. Und es findet meist im eigenen Zuhause statt. Da ist es nur konsequent, wenn wir uns damit beschäftigen“, erklärt Dilé, der vor der Produktentwicklung mit zahlreichen Spielern gesprochen und sie in deren Wohnungen beim Zocken beobachtet hat. Microsoft sieht sich dabei als Mittler. „Bei Xbox beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, was Gamern dabei hilft, wirklich in ein Spiel einzutauchen. Die Hardware ist ein wichtiger Teil davon – aber auch die Welt, die man um sie herum schafft“, sagt Carl Ledbetter, der Design-Chef von Xbox. „Die Zusammenarbeit mit Ikea hat uns die Möglichkeit gegeben, das gesamte Gaming-Erlebnis zu Hause zu gestalten: vom Bildschirm bis zum Raum, in dem er steht.“

Gaming wird in der Möbelindustrie stetig größer

Und die Community ist offen dafür. Das zeigt eine repräsentative Online-Umfrage von YouGov im Auftrag des Game, dem Verband der deutschen Gamesbranche. Zuletzt vor drei Jahren wurden über 2000 Verbraucher in Deutschland gefragt, ob sie bereits Gaming-Möbel besitzen oder sich dafür interessieren. Und schon damals hatte jeder zehnte Bundesbürger mindestens ein entsprechendes Stück im Haushalt, sei es ein Gaming-Stuhl, ein ergonomischer Tisch, spezielle Beleuchtung oder passende Halterungen für Zubehör wie Kopfhörer oder Controller.

Darüber hinaus hat sich jeder fünfte Befragte für Gaming-Möbel interessiert. Besonders begehrt ist die aufs Gaming zugeschnittene Einrichtung bei den jüngeren Generationen. Bei den 16- bis 24-Jährigen etwa liegt der Anteil der Nutzer mit 20 Prozent doppelt so hoch wie der Durchschnitt.

Mittlerweile dürften die Zahlen noch deutlich höher sein, getrieben durch die steigende Beliebtheit und die immer höheren Zeitbudgets fürs Spielen. „Das Segment Gaming spielt in unserer Branche eine relevante und wachsende Rolle“, sagt jedenfalls Jan Kurth, der Hauptgeschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM).

Ein Beispiel ist der schwäbische Hersteller Interstuhl, dessen Modellreihe Backforce unter anderem bei eSport-Athleten beliebt ist. International tut sich zudem der bekannte US-Anbieter Herman Miller hervor, der in Kooperation mit dem Computerzubehör-Anbieter Logitech hochpreisige, ergonomische High-End-Stühle und Gaming-Tische anbietet. Aber auch im Massenmarkt gibt es nicht nur Ikea, die auch schon vor der Kooperation mit Xbox Gaming-Möbel im Sortiment hatten. Auch Konkurrent Jysk spielt in diesem Bereich mit, dessen Marktvolumen von Proficient Market Insights auf weltweit fast 16 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 geschätzt wird.

Game-Geschäftsführer Felix Falk wundert sich nicht, dass sich rund um die Computerspielebranche auch noch andere Märkte entwickeln. Möbel gehören dazu, das würden auch die Millionen Fotos und Videos auf YouTube, Reddit und Co. zu diesem Thema zeigen. Aber auch Mode, Film, Musik und Bücher werden Falk zufolge vom Gaming beeinflusst und bieten immer vielfältigere Ergänzungen. „Die Games-Kultur ist über die Jahre immer breiter geworden“, sagt der Branchenvertreter im WELT‑Gespräch. Er sieht seine Branche mittlerweile sogar als „Herz der Popkultur“.

Die neue Yxstaby-Kollektion von Ikea und Xbox

Und so wenden sich nach und nach artfremde Firmen der seit Jahren boomenden Branche zu, die hierzulande mit mittlerweile mehr als 40 Millionen Spielern und knapp zehn Milliarden Euro Umsatz längst der Nische entwachsen ist. Und dabei geht es nicht nur um Produkte, die an die Community verkauft werden sollen. Dax-Konzerne unterhalten zudem eigene eSport-Teams und bei der Deutschen Bahn ist eine duale Karriere möglich. Kombiniert wird dabei eine klassische Ausbildung oder ein duales Studium mit einer parallelen Weiterentwicklung zum Profi-Gamer. Verbandschef Falk hat die Branche ohnehin nie in der Nische gesehen. „Die Bedeutung wurde lange Zeit verkannt.“ Das sei mittlerweile aber anders.

Tatsächlich ist der Branchentreff Gamescom in Köln in diesem Jahr so groß wie nie. 1700 Firmen, Verbände und Organisationen haben einen Stand gebucht, 350.000 Besucher werden erwartet. Und auch die Politik ist prominent vertreten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist ebenso zu Gast wie Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und mit Henna Virkkunen die Vizepräsidentin der EU-Kommission.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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